Gut geerdet ans Netz
Fertigstellung des Umspannwerks Zimmern ob Rottweil
Luftbild der Anlage vor (links) und nach dem Umbau (rechts)
Würde man die Situation mit einer Flugreise vergleichen, entspräche dies dem letzten Sicherheitscheck: der finalen Ausweiskontrolle und der abschließenden Überprüfung des Handgepäcks, bevor es ins Flugzeug geht und die Maschine schließlich abhebt. Doch im Umspannwerk Zimmern o.R. geht es nicht in die Luft – ganz im Gegenteil. Was hier kurz vor der großen Inbetriebnahme geprüft wird, liegt sicher verborgen unter der Erde: ein engmaschiges Netz aus dicken Kupferleitungen, das sogenannte Erdungsnetz, das sich über das gesamte Gelände erstreckt.
Ende Mai, als die Arbeiten rund um die Erweiterung nahezu abgeschlossen sind, ist davon allerdings nichts mehr zu sehen. Lediglich die Verbindungsstellen an nahezu allen Aufbauten sind bei genauem Hinsehen überall zu entdecken. Christoph Bilger, Projektleiter bei der ENRW, erklärt: „Sämtliche leitfähigen Aufbauten im Umspannwerk sind jeweils über zwei Kupferleitungen mit der Erdung verbunden.“ Dazu zählt neben den zwei großen Transformatoren mit einer Leistung von je 40 Megawatt und den Leitungsfeldern zum Beispiel auch die komplette Umzäunung.
Während Bilger die Zusammenhänge erläutert, sind Mitarbeitende der Netze BW auf dem Gelände unterwegs, um diesen letzten Sicherheitscheck durchzuführen: die sogenannten Erdungsmessungen. Ein einwandfreier Erdungsanschluss ist die Grundvoraussetzung für den sicheren Betrieb der Anlage. Dazu wird ein Prüfstrom durch die Erdungsanlage geleitet und in einem Radius von rund einem Kilometer um das Umspannwerk mithilfe einer Spannungssonde gemessen. Die dabei entstehenden Spannungen dürfen die festgelegten Grenzwerte nicht überschreiten. Das Ergebnis an diesem Tag: alles in Ordnung, grünes Licht für die Inbetriebnahme!
So ist es dann tatsächlich „kein Aprilscherz“, wie Bilger sagt, als am 01.04. erstmals beide Trafos ans Netz gehen.Eine „rein formale Sache“, wie er sagt, und dennoch von enormer Bedeutung für die Region. Denn aus der Ferne sind bereits die Bauarbeiten für den Solarpark „Gründle“ zu hören, der nur wenige hundert Meter Luftlinie entfernt an der Bundesstraße B462 entsteht. Das laute Hämmern ist quasi ein Vorbote für das, was bald folgt: „Der Solarpark wird in Kürze ans Netz gehen. Dafür benötigen wir die volle Kapazität des Umspannwerks“, erklärt Bilger.
Einige Wochen später, Mitte Mai, sind die Tiefbauarbeiten auf dem Gelände weitgehend abgeschlossen. Vor Ort findet die erste Einweisung mit den Mitarbeitenden der ENRW-Leitstelle im Umspannwerk statt. Gemeinsam werden die Anlagen besichtigt und ihre Funktionen erläutert. Was sonst nur über große Bildschirme in der Leitstelle sichtbar ist und aus der Ferne gesteuert wird, lässt sich nun direkt vor Ort erleben. Manuel Rapp, Mitarbeiter der Netzleitstelle, bringt es auf den Punkt: „Es ist wichtig zu sehen, was wir da steuern.“
„Alle Wege führen nach Rom“, heißt es so schön, doch genauso gut könnte man sagen: Fast alle Leitungen führen nach Zimmern ob Rottweil. Netz Rot, Netz Blau, Netz Braun und Netz Weiß, so werden die vier 20-kV-Netze bezeichnet, laufen hier zusammen. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Erweiterung des Umspannwerks Zimmern o.R. bleibt jedoch keine Verschnaufpause. Die Planungen für die Erweiterung des Umspannwerks Prim sind bereits in vollem Gange, denn der Ausbau neuer Erzeugungs- und Speicheranlagen schreitet weiterhin mit großen Schritten voran.
Haben die Erweiterung des Umspannwerks von Seiten der ENRW maßgeblich begleitet: Christof Bilger, Felix Haaser und Michael Volk (v. l.)
ENRWissen - Warum ist eine Erdung wichtig?
Die Erdung in einem Umspannwerk lässt sich mit dem Potentialausgleich eines Gebäudes vergleichen – sie dient als wichtige Schutzvorrichtung: Wenn ein Fehlerstrom auftritt, wird dieser sicher in den Boden abgeleitet und die Anlage schaltet automatisch ab. Für das Erdungsnetz werden gut leitfähige Materialien wie Kupferleitungen eingesetzt, welche die elektrischen Spannungen sicher in die Erde führen. Dadurch werden zwei wesentliche Aspekte erfüllt:
Schutz von Personen: Gefährliche Berührungsspannungen werden verhindert, sodass beim Kontakt mit Anlagenteilen keine Gefahr besteht.
Schutz der Anlagenteile: Geräte wie Transformatoren oder Schaltanlagen
werden vor Schäden durch Überspannung geschützt.
Die Erdungsmessungen sind Voraussetzung für den sicheren Betrieb der Anlage. | Sämtliche leitfähigen Aufbauten im Umspannwerk sind mit der Erdung verbunden.
