„Als Buchhändlerin geht man ständig neue Wege“
Die Geschichte der Buchhandlung Klein in der Innenstadt Rottweils ist lang: Sie lässt sich bis auf die Gründung der Schulbuchhandlung Herder durch die Brüder Bartholomä und Andreas Herder zurückverfolgen. Das war im Jahr 1798 – seither hatte sie viele Besitzer, Standorte und Namen. 1979 übernahm Hermann Klein das Geschäft. Sabina Kratt ist seit über zwanzig Jahren ebenfalls Inhaberin und seit vergangenem Jahr alleinige Geschäftsführerin. Im HIERBLEIBER-Interview gibt sie einen Einblick in die Welt einer Buchhändlerin.
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Was macht Ihnen an Ihrem Beruf am meisten Freude?
Ich schätze den Kontakt mit den Kundinnen und Kunden sehr. Man begegnet jeden Tag interessanten Menschen, führt spannende Gespräche und erlebt immer wieder Neues. Langweilig wird es nie. Besonders schön ist es, wenn man langjährige Kundinnen und Kunden begleitet, ihre Vorlieben kennt und ihnen immer wieder passende neue Bücher empfehlen kann. Außerdem liebe ich die Herausforderung, neben aktuellen Trends und Verlagsvorgaben immer wieder Werke auszuwählen, die wirklich zu unserer Buchhandlung und unserem Publikum passen. Als Buchhändlerin entwickelt man sich ständig weiter, entdeckt neue Themen und beobachtet Trends sehr genau.
Wie viel lesen Sie selbst? Sie müssen immer auf dem neuesten Stand bleiben.
So viel wie möglich – so oft wie möglich, je nachdem wie es meine Zeit erlaubt. Natürlich gehört Lesen zum Beruf dazu, aber im Alltag muss man sich die Zeit dafür manchmal bewusst nehmen.
Was unterscheidet eine Buchhandlung von anderen Einzelhändlern?
Vielen ist zum Beispiel die Buchpreisbindung nicht bekannt, also dass Bücher überall gleich viel kosten und Buchhandlungen deshalb keine Rabatte geben können. Dadurch funktioniert die Kalkulation ganz anders als im übrigen Einzelhandel. Aktuell kommt auch immer wieder das Thema auf, wie teuer Bücher plötzlich geworden sind. Dabei wurden die Preise über viele Jahre kaum angepasst, weshalb die aktuellen Erhöhungen nun stark auffallen.
Buchhändlerinnen und Buchhändler sind zudem weit mehr als reine Einzelhändler. Wir verstehen uns auch als Kulturschaffende und engagieren uns für die Leseförderung. Viele machen das aus echter Leidenschaft, organisieren Veranstaltungen oder engagieren sich ehrenamtlich. Ich bin beispielsweise beim Literaturwettbewerb Schreibspuren der Rottweiler Schulen eingebunden. Zusätzlich veröffentliche ich Bücher im Selbstverlag. Gerade für regionale Inhalte finden sich häufig keine großen Verlage, deshalb haben wir beschlossen, solche Projekte selbst in die Hand zu nehmen. Wir haben unter anderem Werke von Frau Votteler und Herrn Müller veröffentlicht, ebenso Stadtführer und regionale Themenbücher.
Welche Bücher oder Genres liegen aktuell im Trend?
Generell wechseln die Trends ständig. Eine Zeit lang waren historische Romane wie Die Wanderhure von Iny Lorentz sehr beliebt, dann wieder Fantasybücher oder – wie aktuell – Provence-Krimis von Rémy Eyssen. Im Frühjahr war zudem das Buch Sturmhöhe von Emily Brontë stark gefragt, da die Verfilmung in die Kinos kam.
Gibt es Bücher, die sich schon über Jahre hinweg gut verkaufen?
Ja, absolut. Bei den Kinderbüchern sind Klassiker wie Die kleine Raupe Nimmersatt, Der Regenbogenfisch oder Der Grüffelo dauerhaft gefragt. Bei Erwachsenen gehören Bücher wie Der Alchemist oder Der Vorleser zu den Dauerbrennern. Auch Werke von Thomas Mann und Hermann Hesse werden auch heute noch viel gelesen.
Stellen Sie einen Wandel bei Ihrer Zielgruppe fest? Würden Sie sagen, dass junge Menschen heute weniger lesen?
Es gibt aktuell tatsächlich ein neues Publikum. Manche Menschen kehren wieder zum Lesen zurück. Oft hören wir Sätze wie „Ich habe schon als Kind viel gelesen und es jetzt wieder angefangen.“ Gleichzeitig hatten wir aber in den letzten Jahren durch die digitalen Medien auch viele Leserinnen und Leser verloren. Die Rückkehrer gleichen das nicht vollständig aus. Interessant ist aber, dass Lesen heute wieder stärker als Erlebnis wahrgenommen wird. Besonders schön gestaltete Bücher mit aufwendigen Covern, farbigen Buchschnitten oder besonderen Einbänden werden bewusst gekauft. Viele gönnen sich wieder ein hochwertiges, schönes Buch.
Welche Bücher würden Sie Menschen empfehlen, die bisher wenig oder gar nicht lesen?
Ein wunderbarer Einstieg ist Zwei alte Frauen von Velma Wallis. Das Buch ist eindrucksvoll erzählt und berührt viele Leserinnen und Leser.
Und welche Bücher empfehlen Sie Viellesenden?
Sehr gerne empfehle ich Acht Berge von Paolo Cognetti oder Mirabellentage von Martina Bogdahn. Beide Bücher bleiben lange im Gedächtnis.
Die Geschichte der Buchhandlung Klein geht bis auf das Jahr 1798 zurück.
