18.11.2024

Wie spricht der Landkreis Rottweil?

Der heutige Landkreis Rottweil gehörte früher drei verschiedenen Ländern an: Baden, Hohenzollern/Preußen und Württemberg. Das schlägt sich bis heute in der sprachlichen Einordnung wieder, die Dialekte sind sowohl vom schwäbischen als auch alemannischen Sprachraum geprägt. Die Region bildet eine Übergangszone zwischen diesen beiden Dialektgruppen, was die Sprachlandschaft besonders vielfältig macht. Im nördlichen und östlichen Teil des Landkreises dominiert das Schwäbische, während im Süden bzw. Südwesten zunehmend alemannische Einflüsse spürbar sind.

Das Schwäbische, das in vielen Dörfern und Städten nördlich von Rottweil gesprochen wird, ist durch markante sprachliche Eigenheiten geprägt. So wird beispielsweise der Konsonant „s“ oft zu einem „sch“ und viele Vokale klingen weicher oder abgerundeter. Typisch ist auch die sogenannte „schwäbische Dehnung“, bei der Vokale länger ausgesprochen werden, wie etwa in „Hoos“ statt „Hose“. Diese Merkmale sind für viele ein unverkennbares Zeichen schwäbischer Identität. Auch wenn Hochdeutsch im Alltag immer wichtiger wird, bleibt der Dialekt ein fester Bestandteil der Kommunikation, vor allem bei älteren Generationen und in ländlicheren Gebieten.

Im südwestlichen Landkreis, besonders in den Schwarzwaldregionen, werden alemannische Dialekte gesprochen. Diese Dialekte klingen im Vergleich zum Schwäbischen etwas weicher und verwendet oft andere Lautungen, zum Beispiel ein „u“ statt eines „a“, wie in „Muus“ statt „Maus“. In den südlicheren Gegenden ist das Alemannische tief verwurzelt und wird im Alltag noch häufig verwendet. Dennoch verliert auch hier der Dialekt langsam an Boden, da vor allem jüngere Menschen vermehrt Hochdeutsch sprechen, etwa in der Schule oder den sozialen Medien.

Rottweil, als älteste Stadt Baden-Württembergs, hatte im Mittelalter eine bedeutende Rolle als Handels- und Kulturzentrum, was auch die Sprachentwicklung beeinflusst hat. Die Dialekte der Region spiegeln diese Geschichte wider und sind bis heute Ausdruck einer regionalen Identität. Dennoch hat sich das Hochdeutsche in den letzten Jahrzehnten immer mehr durchgesetzt, besonders in städtischen Gebieten. In Schulen und im öffentlichen Leben wird überwiegend Hochdeutsch gesprochen, was dazu führt, dass die jüngeren Generationen den Dialekt oft nicht mehr im selben Maße beherrschen wie ihre Eltern oder Großeltern.

Trotzdem bleibt der Dialekt lebendig. In vielen Bereichen des kulturellen Lebens, etwa bei der Fasnet, spielt er weiterhin eine zentrale Rolle. Zudem gibt es Initiativen, die sich dafür einsetzen, die sprachliche Tradition zu erhalten. Dialektgruppen und Vereine fördern den Gebrauch des Dialekts und tragen dazu bei, dass er nicht in Vergessenheit gerät. Erst im Oktober 2024 wurde erstmals der Landespreis für Dialekt Baden-Württemberg verliehen. Der „Priis fir Dialeggdschwädzer“ wurde im Rahmen der Dialektinitiative der Landesregierung in Zusammenarbeit mit dem Dachverband der Dialekte (DDDBW) in sechs Kategorien verliehen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann fasste die Bedeutung des Dialekts dabei sehr passend zusammen: „Der Dialekt steht für Vielfalt, aber auch für Bodenständigkeit.“ Und weiter: „Der Dialekt ist die Muttersprache der meisten Menschen in der Welt.“

Welche Rolle die Dialekte des Landkreises Rottweil in der Kultur, bei den Jugendlichen und auch bei der ENRW spielen, dem sind wir auf den nachfolgenden Seiten nachgegangen.