18.11.2024

Schichtarbeit - Austausch des Kiesfilters im Hochbehälter Zimmern o.R.

Der Weg zu frischem Trinkwasser?

In einem deutschen Haushalt ist er in der Regel kurz: Ab in die Küche oder ins Badezimmer, Wasserhahn auf und schon fließt es. Den langen Weg, den das Wasser bis dahin zurücklegt, kennen allerdings nur die wenigsten. Es ist für uns alle selbstverständlich, dass Trinkwasser in konstant hoher Qualität aus dem Hahn kommt. Doch dahinter steckt ein aufwändiger und sorgfältig kontrollierter Prozess, bei dem aus unbehandeltem Rohwasser das sogenannte Reinwasser entsteht.

Das Trinkwasser für Rottweil wird im Hochbehälter Zimmern aufbereitet – zumindest der Teil des Wassers, der aus der heimischen Straubeleswaldquelle kommt. Der andere Teil stammt aus dem Bodensee und erreicht den Hochbehälter schon als fertiges Trinkwasser. Das Quellwasser muss zunächst aufbereitet werden, um unerwünschte Stoffe wie Schwebstoffe oder Keime zu entfernen. Ein wichtiger Bestandteil im Aufbereitungsprozess sind mechanische Filter.

Auch im Hochbehälter in Zimmern sind zwei dieser mechanischen Filter, sogenannte Kiesfilter, zu finden. Zwischen den zahlreichen Rohren und Leitungen, die sich hinter den gut gesicherten Türen des Hochbehälters befinden, sind die großen blauen Behälter nicht zu übersehen. Die massiven Tanks mit einem Fassungsvermögen von 46 m³ pro Filter und einer Gesamthöhe von rund 9 Metern ragen bis zur Decke des Gebäudes.

Im Inneren filtern fünf Schichten aus Hydroanthrasit, Sand und Kies rund 40 Liter Quellwasser pro Sekunde – und das rund um die Uhr. In leerem Zustand sieht man die Behälter daher so gut wie nie. Doch da sich das darin befindliche Filtermaterial mit der Zeit mechanisch abnutzt und die Filterleistung nachlässt, wird der Inhalt beider Filter derzeit ausgetauscht. Eine einmalige Gelegenheit, um mit Manuel Bross, Teamleiter Gas- und Wasserversorgung bei der ENRW, einen Blick ins Innere der Kiesfilter zu werfen.

„Fast wie eine 1-Zimmer-Wohnung in München“, sagt er, als er durch die Luke in den leeren Behälter blickt. Fest verbaut sind nur die rund 4 Meter hohe „Tulpe“ und der Düsenboden mit insgesamt 548 Filterkerzen, die ebenfalls im Zuge des Austauschs der Filterschichten gewechselt werden. Manuel Bross erklärt: „Neben dem Filtermaterial wird auch die Innenbeschichtung im oberen Teil des Behälters erneuert.“ Das Ozon, das zur Desinfektion des Wassers eingesetzt wird, hat im Laufe der Jahre deutliche Spuren hinterlassen.

Erst, wenn alle Reparaturen am und im Behälter abgeschlossen sind, kann dieser mit dem neuen Filtermaterial befüllt werden. Dies erfolgt teilweise händisch und teilweise mit Unterstützung eines Silofahrzeugs. „Die feinkörnigen Schichten aus Sand und Hydroanthrasit können wir einspülen. Den Kies müssen wir allerdings von Hand einfüllen“, erklärt Manuel Bross. Vor dem Gebäude liegen bereits die Säcke bereit. Rund 23 Tonnen Material werden pro Filter eingefüllt. Zum Abschluss wird der gesamte Inhalt vor der Inbetriebnahme noch einmal desinfiziert und das Ergebnis mit einer Wasserprobe überprüft.

Der Austausch des Materials sowie die Instandhaltungsarbeiten dauern etwa zwei Wochen pro Filter. Doch um die hervorragende Qualität des Trinkwassers auch künftig sicherzustellen, ist der Aufwand unvermeidlich. Und das Ergebnis der „Schichtarbeit“ ist jeden Aufwand wert: Sauberes Wasser direkt aus dem Wasserhahn – nach diesem kleinen Einblick sollten wir es umso mehr zu schätzen wissen.