"Mit uns ka mer schwätza"
Dialekte bei der ENRW
Die Mundart-Vielfalt in der Region Rottweil ist erstaunlich groß, denn hier treffen alemannisch und schwäbische Dialekte aufeinander. Diese sprachliche Symbiose ist das Ergebnis der historischen Zugehörigkeit zu drei Ländern: Baden, Hohenzollern und Württemberg.
In dieser Region sind die ENRW und auch deren Mitarbeitende fest verwurzelt. Sie alle sind von den sprachlichen Eigenheiten der Region geprägt. Grund genug, sich einmal vor Ort umzuhören. Wir haben die ENRW Mitarbeitenden gefragt, was sie über das Thema Dialekt denken.
Klaus, Teamleiter MSR-Technik und Ausbildung Elektroniker, gebürtig aus Flözlingen
„Bei uns zu Hause und auch im Dorf hat man schon immer Dialekt gesprochen. Es gab sogar innerhalb vom Dorf unterschiedlicher Ausdrücke, die nach Unterdorf, Mitteldorf und Oberdorf aufgeteilt waren. Wahrscheinlich kam das von den Eingeheirateten, die die Wörter mitgebracht haben. Wir haben von der Kindheit an alle Schwäbisch gschwätzt. Das Hochdeutsche haben wir nur in der Schule und beim Fernsehen mitbekommen.
Wenn unsere Tochter ihre Freundin zu Besuch hatte, gab es häufiger mal Verständigungsschwierigkeiten, weil sie den Dialekt nicht verstanden hat. Unsere Tochter hat es irgendwie geschafft, zu übersetzen, ohne dass ich es gemerkt habe. Später sagte ihre Freundin dann auch offen: „Klaus, ich verstehe dich nicht“.
Ich habe schon erlebt, dass der Dialekt in bestimmten Situationen eher ein Nachteil ist. Jemand, der Hochdeutsch spricht, wird meiner Meinung nach höher angesehen als jemand, der Dialekt spricht. Deshalb bin ich froh, dass unsere Kinder auch gut Hochdeutsch sprechen.
Die meisten meiner Auszubildenden sprechen wenig oder gar keinen Dialekt. Aber es gibt auch Ausnahmen: Ein Azubi spricht mindestens so breit wie ich!“ (lacht)
David, Energiedienstleistungen, gebürtig aus Vöhringen (Württemberg)
„Bei mir kommt der Dialekt aus der Familie. Beide Teile haben schon immer geschwäbelt. Mit der Familie und im privaten Umfeld spreche ich auch am häufigsten Dialekt. Zum Beispiel, wenn ich mit meinen Jungs beim Kicken bin. Gerade dort benutzt man Ausdrücke, die man im Büro überhaupt nicht verwenden würde. Der Jargon ist ein einfach ein anderer.
Aber man passt sich natürlich an, je nach dem, mit wem man spricht. Ganz klassisches Hochdeutsch kann ich aber trotzdem nicht sprechen. Es ist gut, dass es Dialekte gibt, denn das macht uns individuell.“
Marcello, Energiedienstleistungen, gebürtig aus Freudenstadt
„Da ich früher oft bei meiner deutschen Oma war, habe ich von ihr das Schwäbische gelernt. Ich persönliche sehe die Vorteile vom Dialekt im Alltag. Da ist es manchmal leichter, sich mit Kunden zu unterhalten, wenn man Dialekt spricht. Es ist einfacher, kürzer und man versteht sich. Es ist ein lockeres und vertrautes Gespräch.
Dass ich selbst Dialektwörter erklären muss, kommt eigentlich nie vor. Oft ist es eher so, dass die Leute mir bestimmte Begriffe erklären müssen. Obwohl ich breit Schwäbisch spreche. Die Begrifflichkeiten, die es im Ur-Schwäbisch gibt, kenne ich einfach nicht.
Ich selbst bezeichne mich als Italo-Schwabe. Ich spreche schwäbisch, aber wenn ich fluche, dann auf Italienisch!“
Klaus Kaiser, David Bätzner, Marcello Maneth
