Deutsch, Englisch, Französisch, Schwäbisch?
Ein Interview zum Thema Dialekt an der Schule
Es ist noch früh am Morgen, die erste Unterrichtsstunde hat gerade begonnen. Die Schülerinnen und Schüler sitzen an ihren Tischen, während eine Lehrerin vorne an der Tafel die deutsche Grammatik erklärt. Die offene Tür des Klassenzimmers lässt die Stimmen des Unterrichts nach außen dringen. Auf dem Schulflur freuen sich zwei Schüler über den Vertretungsplan: eine Stunde fällt aus. Man fühlt sich in die Vergangenheit zurückversetzt und würde am liebsten noch einmal zur Schule gehen. Den nostalgischen Gedanken nachhängend, führt der Weg weiter zum Sekretariat.
Dort warten bereits Herr Munding, kommissarischer Schulleiter, und Frau Breuing, Deutsch- und Geschichtslehrerin an der Eschachschule. An der Gemeinschaftsschule in Dunningen werden die Klassenstufen 5 bis 10 unterrichtet. Nach einer herzlichen Begrüßung und einem kurzen Austausch sind wir schnell beim eigentlichen Thema: Dialekt an der Schule. Mit rund 6.000 Einwohnern ist die Gemeinde Dunningen ländlich geprägt und die Dialekte sind hier Bestandteil des Sprachgebrauchs. Daher möchten wir wissen: Ist das Thema Dialekt im Lehrplan verankert? Wie wird es im Unterricht behandelt? Und sprechen die Schülerinnen und Schüler überhaupt noch Dialekt?
Als gebürtiger Rottweiler spricht Herr Munding selbst auch Dialekt. Frau Breuing, die aus dem Siegerland stammt, erklärt: „Für die Ohren hier spreche ich vermutlich Hochdeutsch.“Munding kann dem nur zustimmen. Umso spannender ist es für uns, was Frau Breuing über Dialekte berichten kann. „Das Thema Dialekt ist im Bildungsplan ausdrücklich erwähnt. Insbesondere geht es darum, die Unterschiede zwischen schriftlicher und gesprochener Sprache, der Mundart, zu thematisieren. Das ergibt sich aber auch ganz natürlich im Unterricht anhand der Texte, die die Schüler abliefern“, erklärt sie.
Munding betont, dass es im Unterricht nicht darum gehe, den Schülern Dialekte beizubringen. Vielmehr sei das Ziel, sie zu befähigen, über ihren Sprachgebrauch nachzudenken und verschiedene Sprachvarianten zu erkennen. „Das Nachdenken über Sprache und Identitätsbildung ist entscheidend“, sagt er. Die Lehrkräfte selbst sollten sich im Unterricht zwar der Standardsprache annähern, jedoch gibt es keine strikten Vorgaben für den Sprachgebrauch. „Es versteht sich von selbst, dass Lehrkräfte auch als Vorbilder agieren und sich entsprechend ausdrücken“, so Munding.
Die These, dass der Dialekt insbesondere bei den jungen Generationen stark an Bedeutung verliert, kann Frau Breuing nicht bestätigen: „Alle, die hier geboren sind, sprechen auch Dialekt. Das sind sicher 80 Prozent der Schülerinnen und Schüler.“
Herr Munding ergänzt: „Aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklung kommen andere Sprachen, Dialekte und Akzente hinzu. Dass in einem Ort alle gleich sprechen, wird dadurch aufgebrochen. Ich glaube deshalb, dass das Praktizieren von Dialekten ein Stück weit abnimmt.“
Beide sind sich einig, dass Sprachfärbungen zur Herkunft dazugehören. Deshalb gebe es keine Vorgaben, dass Schüler Hochdeutsch sprechen müssen. Breuing betont, dass es nur dann problematisch werde, wenn Verständnisprobleme auftreten; in diesem Fall funktioniere der Unterricht nicht mehr. Dass es spezielle Vereine gibt, die das Thema Mundart an Schulen fördern, befürwortet Frau Breuing: „Das Bewusstmachen von Sprache finde ich als Deutschlehrerin wichtig. Dass man Dialekte bewahrt und in die Öffentlichkeit trägt, kann nur positiv für die Sprache sein. Andere Kulturgüter werden auch gepflegt. Warum also nicht auch die Sprache?“
Im Gespräch mit Herrn Munding und Frau Breuing wird deutlich, dass Dialekte weit mehr als nur sprachliche Relikte sind: Sie sind lebendige Bestandteile der Identität und bei den Schülerinnen und Schülern nach wie vor präsent. Der Unterricht trägt dazu bei, ein Bewusstsein für die Vielfalt der Sprache zu schaffen – und diese Vielfalt hoffentlich auch noch lange zu bewahren.
