25.04.2025

Vom Stadtwerk zur ENRW

Geschichten aus der Zeit der Umfirmierung

Zeit des Umbruchs

Den Strommarkt mit freiem Wettbewerb, wie wir ihn heute kennen, gibt es noch nicht sehr lange.

Mit dem 1998 in Kraft getretenen „Gesetz zur Neuregelung des Energiewirtschaftsrechts“ begann in Deutschland die Liberalisierung der Strommärkte. Angetrieben von diesen Veränderungen entstand aus den Stadtwerken Rottweil 1999 die Energieversorgung Rottweil. Wir haben mit vier Mitarbeitenden gesprochen, die diesen Übergang miterlebt und aktiv begleitet haben.

Christian Hanusch,
Abteilungsleiter Kundenservice

„Zur Zeit der Umfirmierung war ich als Leiter der Abteilung Controlling & EDV bei den Stadtwerken Rottweil unter Werkleiter Peter Küppers tätig. Mit der Umstrukturierung kamen viele neue Aufgaben auf mich zu.

Ein spannendes Thema war die Frage, wie wir uns als neu gegründetes Unternehmen positionieren. Bis dahin gab es keinen Wettbewerb im Strommarkt, und Marketing sowie Vertrieb waren für uns neu. Ich bekam die Aufgabe, diesen Bereich als Leiter der neu gegründeten Abteilung Marketing und Vertrieb aufzubauen. Wir haben uns viele Gedanken über den Namen und das Logo gemacht. Die Herausforderung bestand darin, vom Stadtwerk, das nur für das Stadtgebiet zuständig war, wegzukommen und uns als modernes Versorgungsunternehmen für die gesamte Region zu präsentieren. Zudem wollten wir das eher verstaubte Image der Stadtwerke ablegen. In einem Ausschuss haben wir dann den Namen Energieversorgung Rottweil festgelegt. Mit der Farbe Orange wollten wir einen frischen, neuen Auftritt schaffen.

Natürlich mussten wir den neuen Namen auch der Öffentlichkeit vorstellen. Es gab Bürgerinformationsveranstaltungen in allen Gemeinden, bei denen wir das neue Unternehmen und die neuen Strompreise präsentiert haben. Ich erinnere mich noch gut, wie ich in jungen Jahren auf dem Podium gesessen und mich den Fragen der Kunden gestellt habe. Ich war damals ziemlich aufgeregt, weil wir noch nicht wirklich einschätzen konnten, was uns erwartet. Ein ganz besonderer Tag war auch der Tag der offenen Tür am 29. September 1999, bei dem wir unsere Kunden zum Betriebsrundgang eingeladen haben.

Es war eine unglaublich spannende Zeit, in der wir viel bewegt haben. Wir mussten mit dem Vertrieb und dem Marketing wirklich von 0 auf 100 durchstarten. Rückblickend hätte man sich natürlich mehr Zeit für alles gewünscht, aber im Großen und Ganzen haben wir die Herausforderung sehr gut gemeistert.“

Volker Schmid,
Netzservice und MSR-Technik

„Meine Zeit bei den Stadtwerken hat 1986 angefangen, schon damals im Bereich Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik (MSR-Technik). Zu dieser Zeit wurde das aquasol, das bereits zu den Stadtwerken gehört hat, gerade renoviert. Walter Kirner, der damalige Leiter der Elektroabteilung, hat mich gemeinsam mit den Monteuren zur Inbetriebnahme des Bades geschickt. Dadurch habe ich auch die gesamte Anlage kennengelernt.

So wie ich es in Erinnerung habe, war der Übergang von den Stadtwerken zur ENRW eine relativ kurze Sache. Damals hat man von der sogenannten ‚Umfirmierung‘ gesprochen. Zu dieser Zeit waren wir Mitarbeitenden sehr nah zusammen, da das Unternehmen auch deutlich kleiner war. Tatsächlich kannte damals noch jeder jeden.

Obwohl der Übergang schnell vollzogen war, gab es dennoch einige Aufgaben zu erledigen. Im Zuge der Umfirmierung gab es zum Beispiel neues Briefpapier, das verteilt wurde. Außerdem habe ich persönlich alle meine Außenkontakte angeschrieben, um den neuen Namen bekanntzugeben. Dafür musste ich einige Briefe verfassen, denn eine Abteilung Kundenservice gab es noch nicht. Einwände seitens der Kunden gab es dabei keine. Was mir aber aufgefallen ist: Es hat ziemlich lange gedauert, bis sich die Änderung tatsächlich in den Köpfen der Leute festgesetzt hat. Wenn ich mich vor Ort vorgestellt und gesagt habe: ‚Ich bin von der Energieversorgung Rottweil‘, war die Antwort oft: ‚Ach, von den Stadtwerken. Kommen Sie rein!‘ (lacht) Ich selbst habe mich schnell an den neuen Namen gewöhnt.“

Bernd Steinbach, Teamleiter
Finanz- und Rechnungswesen
Michaela Kramer,
Auftragsabrechnung und Versicherungen

Bernd Steinbach: „Der Umwandlungsprozess von den Stadtwerken Rottweil zur ENRW wurde von der Herausforderung der Liberalisierung des Strommarktes getrieben. Mit dem Inkrafttreten der neuen Gesetze wuchs der Wettbewerbsdruck und das Gerücht vom drohenden Aus vieler Stadtwerke verbreitete sich. Also haben wir uns überlegt: Welche strategische Ausrichtung streben wir an und welche Kooperationen könnten wir eingehen? Mit Blick auf die Deckungsgleichheit der Strom- und Gasversorgungsgebiete fiel unsere Wahl schnell auf die EnBW. Wir sind damals zum Sitz in Tuttlingen gefahren und hatten das Glück, dass wir mit sehr angenehmen Menschen zusammenarbeiten durften. Den Prozess der Umgründung habe ich als total interessant empfunden.“

Michaela Kramer: „Als die Umfirmierung 1999 bekanntgegeben wurde, hatte ich gerade innerhalb der Abteilung ‚Finanzen und Rechnungswesen‘ eine neue Position übernommen. Viele Buchungen, die heute in der Abteilung Kundenservice erledigt werden, waren damals noch bei uns angesiedelt – das Unternehmen ist im Laufe der Jahre stark gewachsen.

Was ich damals mitbekommen habe, ist, dass sich durch die Änderung der Rechtsform auch die Ausschreibungsprozesse verändert haben.“

BS: „Es war nicht nur eine Umfirmierung, sondern auch eine grundlegende Umwandlung. Der ENRW-Unternehmensverbund besteht heute aus vier Gesellschaften. Neben dem Namen hat sich dadurch auch die Rechtsform geändert.“

MK: „Und auch das Logo wurde erneuert. Im Einkauf mussten wir aufgrund dieser Veränderung vor allem neue Formulare einführen.“

BS: „Genau. Im alten Logo der Stadtwerke waren die Farben für Gas, Strom und Wasser eingebunden – gelb, rot und blau. Mit dem neuen Logo haben wir uns für die Farbe Orange entschieden, denn damit haben wir die positiven Eigenschaften von Aktivität, Freundlichkeit und Innovation verbunden.“

BS: „Man muss sagen: Der damalige Direktor, Siegfried Rettich, war sehr innovativ. Seine Devise lautete: ‚Strom muss man selbst produzieren.‘ Er hat uns sehr geprägt und war seiner Zeit weit voraus. Ich erinnere mich noch gut daran, wie er den Betrieb der Blockheizkraftwerke als eine positive, wirtschaftliche und nachhaltige Lösung präsentiert hat.“

MK: „Man hatte damals wirklich das Gefühl, er hätte die Blockheizkraftwerke quasi erfunden (lacht). Auch zahlreiche Nutzwärmeanlagen und Mini-BHKWs in den Häusern wurden gefördert. Das haben wir im Einkauf damals verwaltet.“

BS: „Trotz der Umstrukturierung bleibt für mich der positive Geist der damaligen Stadtwerke erhalten. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, das Vertrauen der Bevölkerung, die Hilfsbereitschaft der Kolleginnen und Kollegen, die Beständigkeit bei der Erfüllung öffentlicher Aufgaben, die Arbeitsplatzsicherheit und die Verlässlichkeit sind nach wie vor zentrale Werte, die das Unternehmen auszeichnen.“