25.04.2025

Rottweiler Bilder

- das fotografische Erbe der Stadt

Das Jahr 1999 – nicht nur für uns war es ein besonderes. Vor rund 25 Jahren wurde die ENRW gegründet und im selben Jahr ging auch die Website der Gruppe „Rottweiler Bilder“ ans Netz. Zunächst als „kleine Datenbank über die Stadt Rottweil“ konzipiert, hat sich die Sammlung mit inzwischen mehr als 94.000 Bildern, Zeichnungen, Geschichten und Kommentaren längst zu einem digitalen Gedächtnis der Stadt entwickelt. Ziel des Vereins ist es, den Wandel der ältesten Stadt Baden-Württembergs zu dokumentieren – von der Vergangenheit über die Gegenwart bis hin zur zukünftigen Entwicklung.

Der Ursprung der „Rottweiler Bilder“ liegt bei Norbert Luksch, der 1999 erstmals die Sammlung im Internet zugänglich machte. Um sein Erbe zu bewahren, ließ sich die Gruppe 2015 als Verein eingetragen. Die Bürgerinnen und Bürger Rottweils sowie Interessierte, die sich für die Geschichte und Entwicklung der Stadt begeistern, können nun in einem umfangreichen Fundus stöbern. Besonders hervorzuheben ist der Fokus auf Gebäude: In der Datenbank sind von fast jedem Haus historische und aktuelle Ansichten zu finden. Gebäude fungieren als ein faszinierender Spiegel der Zeitgeschichte, wie auch Ralf Kleinfeld, 2. Vorsitzender des Vereins, bestätigt.

Kleinfeld, der ursprünglich aus Brandenburg stammt, entdeckte den Verein nach seinem Umzug in eine benachbarte Gemeinde. Mit seiner Liebe für die Stadt Rottweil und der Leidenschaft für die Architektur-Fotografie war es nur noch ein kleiner Schritt, mit dem Verein in Kontakt zu treten.

Besondere Freude hat er in seiner „neuen Heimat“ Rottweil daran, durch die Stadt zu streichen und immer neue, spannende Orte und Perspektiven ausfindig zu machen. Nach einem Streifzug vergleicht er seine Eindrücke mit den historischen Bildern in der Sammlung, um zu sehen, wie sich die Gebäude im Laufe der Zeit verändert haben.

„Die zeitliche Einordnung historischer Bilder ist nicht immer einfach“, erklärt Kleinfeld. Details wie Fahrzeuge, Kleidung oder Schilder können als Anhaltspunkte dienen. Bei alten Ansichtskarten kann oft der Poststempel Aufschluss über das Jahr geben, wobei auch dieser nicht immer zuverlässig ist.

Charakteristisch ist der ernste Gesichtsausdruck der abgebildeten Personen auf vielen alten Aufnahmen. Denn Lachen auf Bildern galt damals als unschick und wurde sogar als Zeichen von Dummheit gewertet. Die älteste Aufnahme in der Sammlung, ein Foto vom Bau des Viadukts, wird übrigens auf etwa 1875 datiert, eine Zeit, als die Fotografie noch in den Kinderschuhen steckte. 

Während früher vor allem Postkarten, Schwarz-Weiß-Fotos und Dias zur Verfügung standen, sind es heute zunehmend Handyfotos, die sich – besonders in den letzten Jahren – deutlich in der Qualität verbessert haben. „Wir haben kaum physische Medien, fast alle Bilder und Dokumente sind digitalisiert“, erklärt Kleinfeld. Privatpersonen sowie die Stadt Rottweil, das Landratsamt, die örtliche Presse und das Stadtarchiv stellen regelmäßig Bilder für die Sammlung zur Verfügung. Für die Bevölkerung ist dieses Archiv ein wahrer Schatz, wie Kleinfeld berichtet: „Oft suchen Menschen gezielt nach Fotos von bestimmten Häusern, wenn dort ihre Eltern oder Verwandte gewohnt haben oder wenn das Haus renoviert wird.“

Der Verein freut sich stets über die Bereitstellung von historischen Bildern und Dokumenten sowie von aktuellen Aufnahmen zum Thema Rottweil. Kleinfeld erzählt: „Erst kürzlich hat uns ein Mann aus dem Norden Deutschlands Fotos von der Notlandung eines Wehrmacht-Flugzeugs bei Aixheim geschickt. Auf einem Bild ist zu sehen, wie ein Ochsenkarren Materialien transportiert.“ Solche Aufnahmen sind von unschätzbarem Wert, um einen Einblick in die Vergangenheit zu erhalten. Doch nicht nur Fotos sind für den Verein von großer Bedeutung. Auch neue Mitglieder sind jederzeit herzlich willkommen. „Wir treffen uns regelmäßig, tauschen uns aus und sind wie eine kleine Familie“, sagt Kleinfeld. Um das Bildarchiv der Rottweiler Bevölkerung zu bewahren, bedarf es schließlich auch viel Engagement und Herzblut.

Wer Mitglied bei den „Rottweiler Bildern“ werden möchte, kann per E-Mail an
verein@rottweil.net oder über die Telefonnummer 0741 23643 Kontakt aufnehmen.
Der Verein trifft sich außerdem regelmäßig zum Stammtisch. Ort und Datum werden über die Website des Vereins bekannt gegeben.
1. Bild: Der Vorstand: Heinz Zimmermann (links) und Ralf Kleinfeld  |  2. Bild: Diese Aufnahme zählt zu den ältesten in der Sammlung und zeigt den Bau des Viadukts um 1875.  |  3. Bild: Bitte recht ernst: Lachen auf Bildern galt früher als unschick und wurde sogar als Zeichen von Dummheit gewertet.  |  4. Bild: Blick in die Au um 1910: Die Straße zum Bahnhof, gesäumt von Bäumen, ist gut erkennbar. Auch die Bahnschienen sind deutlich sichtbar. Der Bahnhof Rottweil wurde bereits 1868 eröff net.  |  5. Bild: Die ehemaligen ENRW-Gebäude um 1910: Einige der abgebildeten Gebäude existieren heute nicht mehr. Auch die Brücke über den Neckar zum Bahnhof ist heute nicht mehr vorhanden.  |  6. Bild: Die Vögelinsmühle im Jahr 1880: Nach einem Brand im Jahr 1906 wurde an ihrer Stelle das bisherige Verwaltungsgebäude der ENRW errichtet.