Oben Strom erzeugen, unten lade – ein zukunftsfähiges Konzept
Nachhaltig Energie gewinnen, ohne zusätzliche Flächen zu verbrauchen? Dass das möglich ist, zeigt das erst kürzlich errichtete Solarfaltdach der ENRW. Im Zuge des Neubaus in Rottweil-Neufra wurde dieses über den Parkflächen installiert. Damit zählt die ENRW zu den ersten Energieversorgern in Baden-Württemberg, die eine derartige Anlage in Betrieb genommen haben. In einer Höhe von etwa sechs Metern erzeugen rund 700 Solarmodule grünen Strom.
Das Besondere an dieser Anlage ist – wie der Name bereits andeutet – der ein- und ausfahrbare Faltmechanismus. Der Schweizer Hersteller dhp technology AG hat hierfür ein einzigartiges System mit Seilbahntechnologie entwickelt. Eine Wetterstation erfasst kontinuierlich Daten wie Windgeschwindigkeit, Temperatur, Einstrahlung und Niederschlag. Bei kritischen Wetterbedingungen wie Sturm, Hagel oder Schneefall fährt das Dach in wenigen Minuten ein, um Schäden an der Anlage zu verhindern.
Der Faltmechanismus bringt aber noch weitere Vorteile mit sich: Durch die durchlässige Konstruktion ist kein zusätzliches Entwässerungssystem nötig. Flora und Fauna können sich unter den Modulen frei entfalten, weshalb bei der Planung und beim Bau des Parkplatzes zahlreiche Grüninseln integriert wurden. Pflanzen wie Brunnera, Strochenschnabel und Waldsteinien gedeihen dort auch ohne zusätzliche Bewässerung bestens.
Der wohl größte Vorteil des Solarfaltdachs ist jedoch die doppelte Flächennutzung: Während oben bis zu 350 kWp Strom erzeugt werden, können unten an aktuell 64 Ladepunkten die Autos der Mitarbeitenden und des Fuhrparks geladen werden. Gleichzeitig sind die Fahrzeuge vor Witterungseinflüssen geschützt. Besonders im Sommer reduziert das Dach die Aufheizung der Parkflächen. Und die Leistung reicht sogar aus, um zusätzlich die Wärmepumpe des Neubaus zu versorgen.
Seit der Inbetriebnahme im Sommer dieses Jahres wurden so bereits 160.000 kWh grüner Strom erzeugt (Stand: Oktober 2025). Genug, um den Jahresbedarf von rund 40 Vier-Personen-Haushalten zu decken. Ein Großteil der Energie wird direkt von der ENRW verbraucht, überschüssiger Strom wird ins örtliche Netz eingespeist. Diese zukunftsweisende Energielösung ist nicht nur für die Region ein Gewinn, sondern könnte auch weit darüber hinaus als Vorbild dienen.
