Landesgartenschau Rottweil 2028: Neue Lebensräume am Neckar
Der Name „Neckar“ bedeutet ursprünglich so viel wie „heftiger, schneller Fluss“. Unter dem Einfluss der Menschen hat der Fluss seine „wilden“ Eigenschaften im Laufe der Zeit jedoch verloren. Ruhig und gezähmt fließt er inzwischen durch die Landschaft. In Rottweil soll sich das nun ändern: Im Zuge der Revitalisierung durch das Regierungspräsidium Freiburg erhält der Fluss auf rund zwei Kilometern Länge ein neues „Gewand“.
Diese Maßnahme ist nicht nur ein zentraler Bestandteil der Landesgartenschau, sondern auch ein wichtiger Schritt zur Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL). Ziel der Richtlinie ist es, bis 2027 alle Oberflächengewässer in einen „guten ökologischen Zustand“ zu versetzen. Wir zeigen, wie der Neckar Schritt für Schritt wieder zu einem vielfältigen Aufenthalts- und Lebensraum für Flora und Fauna wird.
Vielfältige neue Habitate
Mit dem neuen Altarm am Alten Gaswerk, dem Schwarzen Felsen in unmittelbarer Gewässernähe und der Neckarinsel an der Primmündung sind vielfältige Lebensräume entstanden. Im revitalisierten Abschnitt des Neckars finden sich künftig Stillwasserzonen, Abbruchufer sowie Feuchtwiesen. Unterschiedliche Fließgeschwindigkeiten, variierende Wasserspiegel, sonnige und beschattete Bereiche sowie vielfältige Strukturen im und am Gewässer schaffen abwechslungsreiche Habitate. Dadurch entstehen wichtige Bereiche zur Fortpflanzung, wie zum Beispiel Laichplätze, sowie zur Nahrungssuche. Neue Vogel-, Insekten- und Fischarten können sich hier ansiedeln.
Heimische Gehölze säumen das Ufer
Für die Bepflanzung wurden typische Baumarten der Hartholzaue ausgewählt, darunter vor allem Eschen und Erlen. Gegebenenfalls werden diese noch durch Ulmen und Stieleichen ergänzt. In anderen Bereichen sollen außerdem Weidenarten gepflanzt werden.
Zurück zum ursprünglichen Flussverlauf
Im Abschnitt zwischen dem Schwarzen Felsen und der Mündung der Prim kommt der Neckar seinem historischen Verlauf wieder näher. Aufgrund baulicher Gegebenheiten ist dies jedoch nicht überall umsetzbar. So befinden sich beispielsweise das Gelände der Eisenbahnfreunde am Bahnhof, das ehemalige ENRW-Areal sowie das Alte Gaswerk im Bereich des früheren Flusslaufs.
Neue Wege am und über den Fluss
Die Rohrbrücke an der Prim-Mündung wurde bereits zurückgebaut. Auch am neuen Pegel dient derzeit noch eine Rohrbrücke während der Bauarbeiten als Behelfsbrücke. Als dauerhafte Verbindung entsteht ein neuer Radweg von Göllsdorf, der an der Prim-Mündung mithilfe einer neuen Neckarbrücke auf die Bahnhofsseite führt. Auf Höhe des ehemaligen Neckarwehrs quert er den Fluss erneut über eine zweite neue Brücke bis zum früheren ENRW-Gelände. Zusätzlich entsteht ein gewässerbegleitender Fußweg zwischen der Prim-Mündung, dem ehemaligen Neckarwehr und dem Alten Gaswerk. So wird Raum für Naherholung direkt am Wasser geschaffen.
Besserer Schutz vor Hochwasserereignissen
Durch den neuen Pegel können künftig auch extreme Hochwasserereignisse erfasst werden, die statistisch seltener als einmal in 100 Jahren auftreten. Als oberster Neckarpegel liefert er wertvolle Daten und verbessert die Hochwasservorhersage für alle Anwohner flussabwärts. Zudem wurden im Bereich der Neckarinsel und des Altarms gezielt Überschwemmungsflächen geschaffen, die den natürlichen Wasserrückhalt verbessern.
In Rottweil wächst a Wii
Auf einer Ausgleichsfläche am Schwarzen Felsen wurde im Rahmen eines bürgerschaftlichen Projekts ein ökologischer Weinberg angelegt. Die ENRW hat sich verpflichtet, diese Fläche durch landwirtschaftliche Nutzung vor einer Verbuschung zu schützen und offen zu halten, um so zur Artenvielfalt beizutragen. Die zukünftige Bewirtschaftung übernimmt dann der Verein CIVITIS – Bürgerweinberg Rottweil e.V. Sobald die Reben erntereif sind, wird dort sogar gelesen und eigener Wein erzeugt.
Ein Blick in die Zukunft
Nach Abschluss des ersten Bauabschnitts folgt nun der zweite Abschnitt zwischen dem ehemaligen Neckarwehr beim früheren ENRW-Gelände und der Schindelbrücke. In diesem Bereich wird ein Großteil der bestehenden Uferbefestigungen zurückgebaut. Zwischen dem Alten Gaswerk und der Schindelbrücke entstehen zudem ein neuer Altarm, ein natürlicher Flussbogen sowie naturnahe Gleithänge.
Der frühere Messstandort war nicht optimal, da schon bei leicht erhöhten Wasserständen nur noch rechnerische und keine tatsächlichen Werte ermittelt werden konnten.
Ziel der Gesamtmaßnahme ist es, die ökologische Durchgängigkeit für Fische weiter zu verbessern und harte Uferbefestigungen zurückzubauen, um den Neckar in diesem Bereich wieder in einen naturnahen Zustand zu versetzen. Mit der Landesgartenschau entstehen in Rottweil weit über das Jahr 2028 hinaus neue ökologische Freiräume für alle Generationen. Auf über 20 Hektar Fläche werden attraktive Grünräume mit hoher Aufenthaltsqualität geschaffen. Mehr Infos unter www.rw2028.de.
