19.11.2025

Eine neue Heizzentrale in der Kastanienstraße

Knapp ein Drittel der Heizungsanlagen in Deutschland ist älter als 20 Jahre. Das zeigt eine aktuelle Studie des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft e. V.¹. Bei vielen Eigentümern steht daher in den kommenden Jahren eine Modernisierung an. Nicht zuletzt auch wegen gesetzlicher Vorgaben wie dem Gebäudeenergiegesetz (GEG). Ein Wohnblock in der Kastanienstraße in Rottweil hat dafür bereits eine zukunftsfähige Lösung gefunden. In Zusammenarbeit mit der ENRW entsteht hier eine neue Heizzentrale, die mehrere Wohngebäude effizient mit Wärme versorgt.

Mit der Kontaktaufnahme der Wohnungseigentümergemeinschaft starteten im Jahr 2022 die Planungen für das Projekt. Über mehrere Heizzentralen sowie Etagenheizungen wurden die Gebäude viele Jahre mit Gas beheizt. Da die Heizungen inzwischen in die Jahre gekommen waren, entstand der Wunsch nach einer zentralen Nahwärmelösung. „Die alten Anlagen sind an der Leistungsgrenze, im Winter kann es jederzeit zu Ausfällen kommen“, berichtet Jonas Maier, Planer bei der ENRW. Gemeinsam mit dem Vertrieb sowie den Bereichen Wärmeversorgung und Planung der ENRW wurde daher ein umfassendes Konzept für die zukünftige Wärmeversorgung entwickelt. „Angesichts der aktuellen Gesetzeslage ist die Entscheidung für ein neues Heizsystem komplex geworden. Deshalb wenden sich immer mehr Eigentümer an die ENRW, um sich über passende Lösungen zu informieren“, so Jonas Maier weiter.

Zukünftig wird die Wärme mit Pellets erzeugt

Die Wärmeerzeugung erfolgt künftig über zwei Holzpelletkessel mit jeweils 240 kW Leistung. Ergänzt wird das System durch einen Gasspitzenlastkessel mit 320 kW, der bei besonders niedrigen Temperaturen, im Störungsfall oder während Wartungsarbeiten einspringt. „Mehr als 80 % des gesamten Wärmebedarfs können jedoch durch die Pelletkessel abgedeckt werden“, erklärt Jonas Maier. Für die Wärmeverteilung von der Heizzentrale zu den Wohngebäuden wurde ein sogenanntes Kunststoffmantelverbundrohr (KMR-Rohr) verlegt. Dabei handelt es sich um ein Doppelrohrsystem, bei dem Vor- und Rücklauf parallel in einem gemeinsamen Mantel geführt werden. Diese Bauweise vereinfacht die Tiefbauarbeiten und reduziert gleichzeitig die Wärmeverluste.

Im Bauablauf müssen zunächst die bestehenden Wärmeerzeuger demontiert werden. Zudem wird ein neues Gebäude für die Heizanlage errichtet. Der Anschluss vom Gebäudenetz an die Übergabestation sowie der Anschluss zwischen der Übergabestation und den Häusern sind weitere Schritte hin zu der neuen Heizzentrale. Die gesamten Kosten für den Umbau trägt zunächst die ENRW. Später werden diese über die Heizkosten wieder gleichmäßig verteilt.

Die Vorteile für die Kundinnen und Kunden

Mit der neuen Heizzentrale profitiert die Wohnungseigentümergemeinschaft von zahlreichen Vorteilen. So übernimmt die ENRW nicht nur den Betrieb der Anlage, sondern sorgt auch für die Einhaltung der aktuellen gesetzlichen Vorgaben. „Gesetzlich ist es so geregelt: Wer Nah- oder Fernwärme bezieht, erfüllt automatisch die Anforderungen an den Einsatz erneuerbarer Energien“, erklärt Jonas Maier. Die Verantwortung für die Einhaltung liegt somit nicht mehr bei den Kundinnen und Kunden, sondern beim Wärmeversorger.

Auch die Wartung der Heizungsanlage wird künftig vollständig durch die ENRW übernommen. Dadurch entfallen sowohl Kosten als auch organisatorischer Aufwand, etwa für den Schornsteinfeger oder Handwerker.

Ein weiterer großer Vorteil ist die Rund-um-die-Uhr-Überwachung der Anlage über die Leitstelle der ENRW. Jeder Ausfall wird dort sofort erkannt und die entsprechenden Maßnahmen können umgehend eingeleitet werden. „Oft ist es sogar so, dass unsere Leitstelle eine Störung registriert und behebt, noch bevor die Kundinnen und Kunden etwas davon bemerken“, so Maier.

Auch um die Brennstoffversorgung müssen sich die Kundinnen und Kunden nicht kümmern: Die Füllstände der Pelletspeicher werden regelmäßig kontrolliert. Bei Bedarf sorgt die ENRW für die rechtzeitige Nachlieferung.

Ein Blick in die Zukunft

Die neue Wärmeversorgung in der Kastanienstraße kann voraussichtlich im Frühjahr 2026 fertiggestellt werden. Bereits zur darauffolgenden Heizperiode können somit sieben weitere Gebäude im Stadtgebiet nachhaltig mit Wärme versorgt werden. „Ein Projekt wie dieses lässt sich gut auf andere Wohngebiete übertragen“, erklärt Jonas Maier. „Da die Planung und der Bau vergleichsweise unkompliziert sind, ist eine solche Heizzentrale vor allem als schnelle Lösung für Wohnungseigentümergemeinschaften gut geeignet.“ Herausfordernd werde es jedoch, wenn sich zu viele kleine Wärmeinseln bilden, denn dadurch steige der Aufwand für Betrieb und Betreuung deutlich.

Klar ist jedoch schon jetzt, dass die Zukunft in der zentralisierten Wärmeversorgung liegt. So sieht es auch der Kommunale Wärmeplan vor. „Die nächsten Projekte im Rottweiler Stadtgebiet sind bereits in Planung“, berichtet Maier. So soll unter anderem das Moker-Areal gemeinsam mit der Heerstraße künftig an das Blockheizkraftwerk im aquasol angebunden werden. Projekte wie diese zeigen: Gemeinsam lassen sich nachhaltige Lösungen im Bereich der Wärmeversorgung schnell und wirkungsvoll umsetzen.

Was versteht man unter Nah- und Fernwärme?
Die Abgrenzung zwischen den beiden Begriffen ist nicht immer eindeutig. Im Allgemeinen spricht man von Fernwärme, wenn die Wärme über mehrere Kilometer hinweg transportiert wird. Oftmals werden mit der Wärme Stadtteile oder ganze Städte versorgt. Nahwärme hingegen bezieht sich auf kürzere Leitungswege und versorgt in der Regel kleinere Wohngebiete oder Quartiere. Beide Systeme haben gemein, dass die Wärme zentral erzeugt wird.
Kunststoffmantelverbundrohre (KMR-Rohr) vereinfachen nicht nur die Tiefbauarbeiten, sondern reduzieren gleichzeitig die Wärmeverluste.