Drei ungewöhnliche Wege zum Traumjob
Gleich drei (junge) Männer absolvieren aktuell ihre Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe im ENRW Eigenbetrieb Bäder. Jeder von ihnen bringt seine ganz eigene Geschichte mit. Daniel Kirchner, Azubi im zweiten Lehrjahr, sowie Kiavash Esmaeili und Abderrahim Tsouli, beide im ersten Lehrjahr, bilden ein ungewöhnliches Trio. Aus unterschiedlichen Gründen haben sie sich dazu entschlossen, mit Beginn der Ausbildung einen neuen Lebensabschnitt zu starten.
Was sie motiviert hat und welche Wege sie bis hierher geführt haben? Es warten drei individuelle und spannende Geschichten!
Daniel Kirchner, Azubi im 2. Lehrjahr
Seine früheren Jobs als Informatiker und bei der Post waren für Daniel wenig erfüllend: zu wenig Bewegung, keine Möglichkeiten zur Weiterentwicklung, kaum Erfolgserlebnisse. Auch sein Umfeld bemerkte, dass es ihm nicht gut ging. Ein Freund brachte ihn schließlich zurück zu einer alten Leidenschaft: dem Schwimmen. Schon früher war Daniel bei der DLRG aktiv, doch Studium, Beruf
und andere Lebensumstände ließen ihn das Hobby aus den Augen verlieren. „Irgendwann habe ich gemerkt, dass es neben dem Beruf noch andere wichtige Stützen im Leben gibt“, sagt er. Dazu gehört für ihn ganz klar das Schwimmen.
Als der Entschluss gefasst war, nochmal eine Ausbildung zu beginnen, war das aquasol für ihn ein echter Glücksgriff: „Ich habe mich sofort wohlgefühlt“, erzählt er. Der Bewerbungsprozess verlief schnell, und auch sein früherer Arbeitgeber stand ihm beim Neuanfang nicht im Weg.
Heute erlebt Daniel seine Erfolgsmomente ganz anders: Wenn er am Ende eines Schwimmkurses Urkunden oder Abzeichen überreicht, in die strahlenden Gesichter der Kinder blickt oder sich Eltern herzlich bedanken, weiß er, dass seine Entscheidung richtig war. Mit der Ausbildung haben sich für ihn neue Perspektiven eröffnet.
Auch mit seinen deutlich jüngeren Mitschülerinnen und Mitschülern kommt er gut zurecht: „Ich denke, sie profitieren von meiner Lernerfahrung“, sagt er. Mit zwei weiteren Auszubildenden hat er eine Lerngruppe gegründet. „Wir hängen zusammen ab, trainieren zusammen und lernen gemeinsam.“ Ihr Ziel ist es, die Ausbildung zu verkürzen. Für ihn wird das Thema Zweitausbildung und
Quereinstieg gesellschaftlich noch zu wenig beachtet: „Wir sind an einem Punkt, an dem viele Fachkräfte ihren ursprünglichen Beruf nicht mehr bis zur Rente ausüben können.“ Gleichzeitig werde in vielen Bereichen dringend Personal gesucht. Seine Geschichte macht Mut: „Wenn man spürt, dass einen der eigene Job nicht mehr erfüllt, sollte man auf die innere Stimme hören.“ Die Schule und das Lernen – das würde automatisch laufen. Sein Rat: „Es hilft auch, zu schauen: Was habe ich als Kind gerne gemacht und was waren meine Stärken? Ich kenne sehr viele, die in ihrem Beruf nicht glücklich sind.“
Inzwischen ist Daniel auch Mentor für die beiden anderen Auszubildenden Kiavash Esmaeili und Abderrahim Tsouli. Wöchentlich treffen sie sich zur Fragestunde. Dabei geht es nicht nur um die Ausbildung, sondern auch um Alltagsfragen. „Manchmal erkläre ich dann eben auch, was Spätzle sind“, sagt er und lacht.
Kiavash Esmaeili, Azubi im 1. Lehrjahr
Kiavash stammt aus einer Stadt nahe Teheran im Iran mit rund zwei Millionen Einwohnern. Im Vergleich dazu wirkt Rottweil fast wie ein verschlafenes Nest. Bevor er nach Deutschland kam, besuchte er im Iran Sprachkurse und informierte sich über die deutsche Kultur. „Ich habe Videos auf YouTube angeschaut und regelmäßig deutsches Fernsehen gesehen“, erzählt er.
Das führt im Alltag manchmal zu Verständnisschwierigkeiten, denn im Sprachkurs lernte Kiavash ausschließlich Hochdeutsch. Mit Abderrahim hat er jedoch einen guten Lernpartner, um die Sprachkenntnisse weiter zu verbessern: „Da ich Persisch spreche und Abderrahim Arabisch, können wir uns nur auf Deutsch verständigen“, sagt er und lacht.
Überrascht war Kiavash von den zahlreichen Gesetzen und Vorschriften in Deutschland. Auch der Datenschutz für Mitarbeitende sei ihm aufgefallen – das alles aber im positiven Sinne: „Ich mag das und finde es gut, dass hier so viel Rücksicht genommen wird.“
Für seine Entscheidung, nach Deutschland zu kommen, erhielt er viel Unterstützung aus der Familie. Im Iran war er als Profischwimmer aktiv und nahm an zahlreichen Wettkämpfen teil – sogar Einladungen der Nationalmannschaft erhielt er. Auch beruflich war er eng mit dem Wasser verbunden: „Ich war dort Rettungsschwimmer und Schwimmtrainer.“
Im Vergleich zu Deutschland ist die Ausbildung im Iran aber deutlich kürzer. Für Rettungsschwimmer dauert sie oft nur ein bis zwei Monate. Aufgrund seiner umfangreichen Vorerfahrung hofft Kiavash, seine Ausbildung in Deutschland verkürzen zu können und anschließend Fort- und Weiterbildungen zu absolvieren.
Abderrahim Tsouli, Azubi im 1. Lehrjahr
Englisch, Französisch, Deutsch, Arabisch: Viele Sprachen schwirren in Abderrahims Kopf. Dass er erst seit wenigen Monaten in Deutschland lebt, ist kaum zu glauben: Sein Sprachverständnis und seine Ausdrucksweise sind beeindruckend. Sein Weg zur Ausbildung in Deutschland begann mit einer Internetrecherche. „Ich habe auf Google Maps nach Schwimmbädern in Deutschland gesucht. So bin ich auf das aquasol gestoßen“, erzählt er. Die Informationen zur Ausbildung auf der Website überzeugten ihn.
Abderrahim stammt aus der drittgrößten Stadt Marokkos, in der sich auch die älteste Universität des Landes befindet. Hier hatte er sogar Französische Literatur studiert. Doch da es in Marokko während der Ausbildung keine Vergütung gibt, musste er sein Studium abbrechen. „Im Anschluss bin ich im Betrieb meines Vaters eingestiegen“, erklärt Abderrahim.
In Deutschland möchte er sich eine bessere Zukunft aufbauen, mit mehr Perspektiven als in seiner Heimat. „Wasser, Sport, Schwimmen und Menschen helfen“, das ist sein großer Wunsch. Wenn er das erzählt, zeichnet sich ein Lächeln in seinem Gesicht ab. „Für mich ist das wie ein Urlaub“, sagt er.
In Marokko installiert sein Vater private Schwimmbäder. Die technische Seite des Berufs war ihm also nicht fremd. Zusätzlich hat Abderrahim bereits eine Rettungsschwimmerausbildung absolviert. Der Schritt, nach Deutschland zu gehen, war jedoch kein leichter: „Ich habe eine starke Verbindung zu meiner Mutter. Für sie war es schwer, meine Entscheidung anzunehmen“, sagt er. Doch mit der Zeit konnte sie den Wunsch nachvollziehen.
Hier in Deutschland war er überrascht von der Pünktlichkeit und den festen Strukturen, aber auch kulturell gibt es einige Unterschiede: „Die Menschen sind sehr direkt. Regeln und Sicherheit spielen eine große Rolle.“ Trotzdem fühlt er sich hier wohl und hat klare Ziele: „Ich möchte meine Ausbildung erfolgreich abschließen und Verantwortung übernehmen!“
Ein Beruf mit vielen Facetten: Die Ausbildung zum/zur Fachangestellten für Bäderbetriebe umfasst die Betreuung des Badebetriebes, die Wartung der technischen Anlagen, aber auch die Durchführung von Rettungsmaßnahmen.
