Vereine und Ehrenämter
Das Rückgrat unserer Gesellschaft
Wie sähe eine Welt ohne Vereine und ehrenamtliches Engagement aus?
Wer würde Brände löschen oder bei Verkehrsunfällen Erste Hilfe leisten? Wer würde Sportangebote organisieren oder Kinder und Jugendliche an neue Freizeitaktivitäten heranführen? Wer würde Traditionen wie die Fasnacht lebendig halten? Und wer würde im Gerichtssaal dazu beitragen, gerechte Urteile zu fällen?
Ehrenamtliches Engagement ist allgegenwärtig und unverzichtbar aber bleibt doch oft unbemerkt. Sage und schreibe 4,6 Milliarden Stunden ehrenamtliche Arbeit werden in Deutschland pro Jahr geleistet, so die Ergebnisse des Engagementatlas. Oft wird dieser freiwillige Einsatz neben einer hauptberuflichen Tätigkeit erbracht. Diese beeindruckende Leistung verdient höchste Anerkennung. Zum „Tag des Ehrenamts“ hat sich die Stadt Rottweil daher bei den zahlreichen engagierten Bürgerinnen und Bürgern in Rottweil und seinen Ortsteilen bedankt.
Auch bei der ENRW engagieren sich viele Mitarbeitende in ihrer Freizeit ehrenamtlich. Für die Unterstützung dieses Engagements wurde die ENRW im November 2024 sogar mit dem Titel „Ehrenamtsfreundlicher Arbeitgeber im Bevölkerungsschutz“ ausgezeichnet. Wir haben dies zum Anlass genommen, einige der Menschen vorzustellen, die mit ihrem Einsatz täglich unsere Gesellschaft stärken.
Im Spaichinger Industriegebiet in der Gutenbergstraße, nur wenige Schritte vom ehemaligen ENRW-Standort entfernt, befindet sich das Vereinsheim des Kegelvereins „Goldene 7“. Dass der Verein über selbstverwaltete Kegelbahnen verfügt, ist heute eine Seltenheit. Robert Obst, der seit seiner frühen Jugend mit dabei ist, erklärt: „Leider gibt es immer weniger Kegelbahnen in der Region. Die Pflege und Wartung sind sehr aufwendig, und viele junge Leute ziehen das Bowling vor.“
Umso schöner ist es, dass die „Goldene 7“ mittlerweile auf über 60 Jahre Vereinsgeschichte zurückblicken kann. Aktuell gibt es eine gemischte Mannschaft, bestehend aus Frauen und Männern, sowie ein reines Männerteam. Wie viele andere Vereine hat auch die „Goldene 7“ mit sinkenden Mitgliederzahlen zu kämpfen. Dabei ist Kegeln ein spannender und zugänglicher Sport: "Das Schöne ist, dass man zum Kegeln nicht viel mitbringen muss. Egal ob jung oder alt, jeder kann mitmachen“, betont Robert Obst.
Man muss kein Leistungssportler sein, doch bei einem Ligaspiel mit bis zu 120 Würfen pro Person ist auch körperliche Fitness gefragt. Zudem ist Konzentration gefordert: „Kegeln ist ein Psychospiel – man tritt immer direkt gegen einen Gegner an. Die Kugeln sind kleiner als beim Bowling, was das Räumen anspruchsvoller macht. Man muss viel präziser spielen. Aber es ist auch ein Teamsport. Man unterstützt sich gegenseitig, feuert sich an. Das ist einfach schön.“
Neben dem regelmäßigen Training nimmt der Verein auch an Turnieren und am offiziellen Ligabetrieb des südbadischen Sportkegler- und Bowlingverbands SKVS teil. Wer das Kegeln einmal privat ausprobieren möchte, kann die Bahnen inklusive Bewirtung reservieren.
Schon seit neun Jahren ist Jochen Irion Jugendtrainer im Fußball, obwohl er zu diesem Ehrenamt eher zufällig gekommen ist: „Mein Sohn hat mit fünf Jahren angefangen, Fußball zu spielen. Als der damalige Trainer aufgehört hat und kein Nachfolger gefunden wurde, habe ich mich als Vater bereit erklärt, das Traineramt zu übernehmen. Ich wollte, dass die Kinder weiterhin mit Freude im Verein Fußball spielen können.“
Rund 15 bis 20 Kinder zu betreuen, ist eine große Herausforderung. „Als Trainer braucht man gute Nerven und ein ausgeprägtes Einfühlungsvermögen, denn jedes Kind ist anders. Geduld und Ehrgeiz sind ebenso wichtig, um die Kinder beim Training zu motivieren“, erklärt Jochen Irion. Dabei zeigen sich Parallelen zu seiner Tätigkeit bei der ENRW, wo er ein Team von Monteuren koordiniert: „Auch dort gibt es unterschiedliche Charaktere, die zusammengeführt werden müssen.“
Allein für das Training und die Spiele investiert Irion wöchentlich zehn bis zwölf Stunden. Hinzu kommen die Vorbereitungen, Sitzungen und Trainingslager. Doch die Mitgliedschaft im Fußballverein ist aus seiner Sicht sehr wertvoll für Kinder: Sie lernen dort nicht nur den Umgang mit dem Ball, sondern auch soziales Verhalten, Rücksichtnahme und den respektvollen Umgang miteinander. "Wenn ich ein gut funktionierendes Team habe, kommt der Erfolg von ganz allein.“
Besonders schön ist es für ihn zu sehen, wie sich die regelmäßigen Trainingseinheiten in den Spielen auszahlen. „Die hohe Trainingsbeteiligung zeigt mir außerdem, dass die Kinder gerne kommen. Das ist für mich die größte Bestätigung“, sagt er.
Ein klares Urteilsvermögen und Durchhaltevermögen sind wichtige Voraussetzungen für das Ehrenamt als Schöffe. Martin Schmitt folgte damit seinem Vater: Auch er war bereits als Schöffe tätig, was ihn schließlich dazu motivierte, sich ebenfalls zu bewerben. Inzwischen ist Martin Schmitt in seiner dritten Amtszeit, die jeweils fünf Jahre dauert.
Als Schöffe hat man ein aktives Mitspracherecht in Gerichtsverhandlungen und ist fester Teil eines Gremiums, das aus einem Berufsrichter oder einer -richterin und zwei Schöffen besteht. „Wenn wir die Einladung zum Gerichtstermin erhalten, bekommen wir außer der angeklagten Person, dem Anklagegrund und den an der Verhandlung teilnehmenden Personen zunächst keine weiteren Informationen zum Verfahren. Dadurch bleiben wir unvoreingenommen. Alles, was ich mitnehmen muss, sind Schreibutensilien“, erklärt Martin Schmitt. Erst kurz vor der Verhandlung informiert der Richter über die Hintergründe und die genauen Tatumstände.
Während der Verhandlung ist es wichtig, aufmerksam zuzuhören und sich ein eigenes Bild zu machen. „Anschließend gilt es, die vielen Informationen im Kopf zu sortieren.“ In der anschließenden Beratung werden alle Puzzleteile zusammengesetzt. Gemeinsam mit dem Richter oder der Richterin fällen die Schöffen dann das Urteil. „Die Entscheidung ist wichtig und hat Gewicht. Man muss sie mit dem eigenen Gewissen vereinbaren. Es wäre fatal, wenn man falsch entscheidet.“
Besonders interessant sei, dass sich die anfängliche Meinung im Verlauf des Prozesses oft komplett ändere und man nie genau wisse, wie sich eine Verhandlung entwickeln werde. „Das Ehrenamt erweitert definitiv den eigenen Horizont“, fasst Martin Schmitt zusammen.
Inspiriert von der Lage Deißlingens am Neckar und dem schwäbischen Volkslied „Auf’m Wase graset Hase und im Wasser gampet d’Fisch“ war der Name „Näcker-Gamper“ schnell gefunden. Auch heute noch spiegelt sich dieser Gedanke im Vereinskostüm wider, welches aus einem schwarzen Poncho und der Farbpalette des Wassers mit seinen schuppigen Bewohnern aus dem Neckar besteht.
Geprobt wird regelmäßig im vereinseigenen Probelokal, dem liebevoll ausgebauten „Guggenstüble“. Hier trifft man sich nicht nur zum Üben, sondern auch zu geselligen Abenden und zur Vorbereitung auf die Fasnetszeit. Denn zur fünften Jahreszeit sind die Näcker-Gamper voll aktiv und leisten bei traditionellen Umzügen, aber auch bei der Hallenfasnet musikalische Beiträge. Dabei konzentriert sich der Verein bewusst auf wenige, aber besondere Auftritte, bei denen alle mit Herzblut und Begeisterung dabei sind.
Das Vereinsleben zeichnet sich durch sein familiäres Miteinander und einen großen Zusammenhalt aus. Wer gerne musiziert und Gemeinschaft schätzt, findet hier das passende Umfeld. Aktuell laufen bereits die Vorbereitungen für das große 30-jährige Jubiläum im Jahr 2026, zu dem alle herzlich willkommen sind.
Das gilt auch für neue Mitglieder, die nicht zwingend musikalische Vorkenntnisse mitbringen müssen. Denn Instrumente können bei den „Näcker-Gampern“ auch auf Hobbybasis erlernt werden. Interessierte haben die Möglichkeit, montags ab 19:30 Uhr bei der Probe im Guggenstüble vorbeizuschauen oder über die sozialen Medien Kontakt aufzunehmen.
Seit seinem 13. Lebensjahr ist Markus Müller aktives Mitglied der Feuerwehr Rottweil, damals noch in der Jugendfeuerwehr. Heute blickt er auf viele Dienstjahre zurück, in denen er umfassende Erfahrungen und Fachwissen gesammelt hat. „Die Grundausbildung ist für alle Feuerwehrleute gleich. Bei einem Einsatz bestimmt das Alarmstichwort, wer welche Aufgabe übernimmt“, erklärt er.
Die Freiwillige Feuerwehr Rottweil, Abteilung Rottweil, zählt rund 120 aktive Mitglieder, darunter auch einige Mitarbeitende der ENRW. Dank einer engagierten Nachwuchsarbeit ist der Personalstand stabil. Bereits ab einem Alter von sechs Jahren können Kinder in die Kinderfeuerwehr eintreten. Viele wechseln dann mit 17 Jahren aus der Jugendfeuerwehr in den aktiven Dienst.
„Die Feuerwehr ist heute kein reines Männerding mehr“, betont Müller. „Inzwischen gehören auch zwölf Frauen zu unserem Team.“ Auch Quereinsteiger sind immer häufiger vertreten. Entscheidend seien vor allem das Interesse an der Technik und an dem Umfeld sowie die Bereitschaft, regelmäßig an Fort- und Weiterbildungen teilzunehmen. „Man investiert viele Stunden in dieses Ehrenamt. Besonders mit Familie ist das ein Balanceakt, daher ist es wichtig, dass auch sie dahinterstehen.“
Für Markus Müller ist die Feuerwehr mehr als nur ein Ehrenamt: Der freiwillige Dienst ist wie ein zweiter Beruf. „Im Einsatz kommt es darauf an, das Erlernte präzise anzuwenden“, sagt er. Manche Einsätze sind nicht nur körperlich fordernd, sondern auch mental belastend. „Deshalb sprechen wir nach jedem Einsatz im Team über das Erlebte“, so Müller. „Niemand wird allein gelassen.“
Mit dem Verein „Schwarzwald Darts“ ist die Region Rottweil seit diesem Jahr um eine sportliche Attraktion reicher. Das Gründungsteam ist bunt gemischt und hat sich schon vor der Vereinsgründung durch das gemeinsame Dartspielen zusammengefunden.
Aktuell ist „Schwarzwald Darts“ auf Promotour durch die Region unterwegs, um den Verein bekannt zu machen. Erste Stationen waren unter anderem in der Altstadt, in Göllsdorf sowie in Hausen. Weitere Turniere und Veranstaltungen sind bereits in Planung.
Der Höhepunkt der Tour steht Anfang September bevor: Am 6. und 7. September feiert der Verein das große Eröffnungswochenende seines neuen Vereinsheims mit Abschlussturnier auf dem alten Moker-Areal in Rottweil. Bereits am 5. September findet eine offizielle Eröffnung mit geladenen Gästen statt.
Ab dem 6. September ist dann erstmals auch die Öffentlichkeit herzlich eingeladen, die neuen Räumlichkeiten zu besichtigen.
Auf rund 200 Quadratmetern erwartet Dartsbegeisterte ein Vereinsheim mit 8 Steelboard- und 4 E-Dart-Anlagen. Ein gemütlicher Loungebereich mit Thekenbetrieb soll zum Verweilen und Austausch einladen. Ob Mitglied oder Gast – alle sind herzlich willkommen!
Jens Jerger und Sebastian Herold, beide Gründungsmitglieder und Vorstände im Verein, berichten über ihre Begeisterung: "Darts ist ein Präzisionssport, der neben einer ruhigen Hand auch mentale Stärke erfordert, vor allem beim Rechnen der Checkouts. Je nach Spielmodus kann sich das Blatt blitzschnell wenden, was den Reiz und die Spannung dieses Sports ausmacht.“
