25.07.2025

Umspannwerk Zimmern – Netzausbau für eine sichere Versorgung

Wenn von der Energiewende die Rede ist, denken viele zunächst an den Bau von Windkraft- oder Solaranlagen. Diese Erzeugungsanlagen stehen oft sinnbildlich für den Wandel hin zu einer klimafreundlichen Energieversorgung. Dass wir sie benötigen, ist unbestritten. Doch damit der produzierte Strom auch zuverlässig bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommt, braucht es mehr als nur die Erzeugung: Um die Versorgung weiterhin zu gewährleisten, muss auch die Infrastruktur mitwachsen.

Neben neuen Stromtrassen sind vor allem Netzkomponenten wie Umspannwerke entscheidend. Denn nur durch deren Ausbau können die stetig steigenden Strommengen sicher und effizient verteilt werden. Ein aktuelles Beispiel ist das Umspannwerk in Zimmern o. R., das derzeit erweitert wird, um die zunehmende Einspeisung von erneuerbarem Strom aus der Region aufzunehmen. Der Netzausbau lässt sich hier ganz konkret beobachten.

Bereits im September 2024 berichtete die ENRW über den Spatenstich und den Beginn der Bauarbeiten des Erweiterungsprojekts, für das das Unternehmen insgesamt rund 8,5 Mio. Euro investiert. Seitdem hat sich auf dem Gelände nahe des Industriegebiets INKOM viel getan. Christof Bilger, Projektleiter bei der ENRW, betreut das Vorhaben seit Beginn der Planungsphase im März 2022. Er gibt spannende Einblicke in den aktuellen Stand und erläutert, wie dadurch die Versorgungssicherheit auch in Zukunft gewährleistet werden kann.

Die Bauarbeiten sind im vollem Gange

Das Herzstück im erweiterten Umspannwerk bilden die neue 110-Kilovolt (kV)-Anlage und der weitere 40-Megawatt (MW)-Umspanner. Sie dienen dazu, die elektrische Spannung von einem höheren Niveau, etwa 110 kV, auf 20 kV zu reduzieren. So wird die Spannung für die weitere Verteilung an die Endverbraucher nutzbar gemacht. Umspannwerke sind somit zentrale Knotenpunkte im Stromnetz, da sie verschiedene Spannungsebenen miteinander verbinden.

Zur neuen 110-kV-Anlage gehört auch eine 20-kV-Schaltanlage, die, wie Bilger berichtet, bereits fertiggestellt ist. Diese Schaltanlage übernimmt die Verteilung des Stroms, nachdem er von den Transformatoren auf ein Spannungsniveau von 20 kV reduziert wurde, und leitet ihn über verschiedene Abgänge weiter. Eine neue Sammelschiene, die den Strom von den eingehenden Leitungen sammelt und an ausgehende Leitungen weiterleitet, ist ebenfalls schon installiert.

 

Transformator geht im September in Betrieb

Der neue Transformator, der bereits Ende 2024 in das Umspannwerk geliefert wurde, befindet sich derzeit noch in der Vorbereitung zur Inbetriebnahme. Diese ist laut Bilger für Mitte September geplant und erfolgt in zwei Schritten: Zunächst wird der alte Umspanner für die Umbauarbeiten außer Betrieb genommen. In diesem Zuge erfolgt die Verbindung des 110-kV-Kabels mit dem neuen Transformator. Nur wenige Tage später sollen dann der neue Umspanner und die neue Mittelspannungsanlage in Betrieb gehen. Bis Jahresende ist zudem der Umbau der alten 110-kV-Anlage vorgesehen, inklusive der Verbindung des alten Umspanners mit der neuen 110-kV-Sammelschiene. Angesichts der zunehmenden Auslastung des Stromnetzes werden die zusätzlichen 40 Megawatt Leistung, die der neue Transformator bereitstellt, dringend benötigt.

Alle bestehenden Solarparks im Versorgungsgebiet – da-runter Frankenreute, Wildenstein sowie Hochwald – sind bisher noch an den alten Umspanner angeschlossen. Um die zusätzlich geplanten Solarparks anschließen zu können, ist die Erweiterung des Umspannwerks unabdingbar. Christof Bilger erläutert: „Der Zuwachs an installierter Leistung durch neue Solarparks war in den vergangenen Jahren enorm. Wir führen bereits eine Liste mit Anfragen für weitere Anlagen – darunter nicht nur Solarparks, sondern auch Batteriespeicher. Für diese Vorhaben reservieren wir bereits Netzkapazitäten. Vom ersten Antrag bis zur Inbetriebnahme vergehen in der Regel rund drei Jahre.“ Besonders bei Batteriespeichern gestaltet sich die Kapazitätsplanung schwieriger, da diese sowohl Energie einspeisen als auch aus dem Netz aufnehmen können und das Netz dadurch in beide Richtungen belasten.

Entwicklungen im Stromnetz sind schwer vorherzusehen

„Niemand kann genau sagen, wohin die Reise geht“, erklärt Bilger mit Blick auf das Stromnetz der Zukunft. Zu den zahlreichen Einflussfaktoren zählen unter anderem die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die Europäische Union, aber auch die Entwicklung der Strompreise. „Klar ist jedoch, dass das Netz mit der dezentralen Erzeugung von Strom in Zukunft immer komplexer wird. Nicht nur die Netzplanung, sondern auch alle anderen Abteilungen der ENRW sind daher mehr denn je gefordert.“

Während die Netzplanung noch mit vielen offenen Fragen konfrontiert ist, sind die Fortschritte im Umspannwerk schon deutlich sichtbar: So ist das neue Betriebsgebäude auf dem Gelände bereits fertiggestellt. Im Bereich der Tiefbauarbeiten an den Außenanlagen werden aktuell Leerrohre verlegt, um eine Längskupplungsverbindung zwischen dem alten und dem neuen Gebäude herzustellen. Diese Verbindung ermöglicht die Verschmelzung der Schaltanlagen zu einer gemeinsamen Anlage und dient der Versorgungssicherheit. Auch die übrigen Arbeiten sollen planmäßig bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.

 

Netzausbau als zentrale Zukunftsaufgabe

Dennoch ist das Umspannwerk in Zimmern nur eine von vielen Erweiterungsmaßnahmen im Stromnetz. So wird derzeit beispielsweise auch in Deißlingen das Niederspannungsnetz, welches Haushalte und andere Endverbraucher mit elektrischer Energie versorgt, ausgebaut. Parallel dazu laufen bereits die Vorbereitungen für die Erweiterung des Umspannwerks Prim. Außerdem ist eine zusätzliche 110-kV-Leitung rund um Rottweil, das sogenannte „Nordkabel“, bereits in Planung.

All diese Infrastrukturprojekte erfordern lange Vorlaufzeiten: Die Vorbereitungen dauern oft mehrere Jahre an und auch die Bauarbeiten gehen nicht ohne Einschränkungen einher. Doch mit dem Fortschreiten der Energiewende ist ein kontinuierlicher Ausbau des Stromnetzes unerlässlich. „Aktuell wird in allen Netzbereichen intensiv gearbeitet und die ENRW wird auch in den kommenden Jahren weiter in die Versorgungssicherheit der Region investieren“, betont Holger Hüneke, Technischer Geschäftsführer der ENRW.