25.07.2025

Ein Blick auf das Gelände der Landesgartenschau

Rottweil blüht auf! – Im Jahr 2028 wird in Rottweil die Landesgartenschau stattfinden. Für die Stadt ist es zweifelsfrei ein Projekt mit enormer Bedeutung. Viele Zukunftsprojekte sind damit verknüpft: die Entwicklung des Neckars im Bereich des Kerngeländes zu einem attraktiven Naherholungsgebiet, umfassende Sanierungen in der Innenstadt, die Verlagerung der ENRW sowie die Modernisierung wichtiger Verkehrswege und in die Jahre gekommener Leitungsinfrastruktur.

Von den Infrastrukturmaßnahmen und den Aufenthaltsplätzen, die in den nächsten Jahren geschaffen werden, werden nicht nur die Bürgerinnen und Bürger Rottweils, sondern auch Gäste aus der Region und darüber hinaus langfristig profitieren. Doch bis es so weit ist, wird noch einiges passieren. Beim Blick vom Viadukt in die Neckar-aue prägen derzeit unterschiedliche Baustellen, an denen auch die ENRW beteiligt ist, das Bild. Wir geben bei einem Rundgang über das Gelände Einblick in die laufenden Bauarbeiten.

Das alte Gaswerk ist Geschichte

Über viele Jahre hinweg prägte das ehemalige Gaswerk auf dem Gelände der früheren Katzensteigmühle das Landschaftsbild in der Au. Nach der Stilllegung des Gaswerks im Jahr 1965 wurden das Gelände und die Gebäude viele Jahre von der ENRW als Lager genutzt. Mit dem Umzug nach Neufra war schließlich der Weg für die Umnutzung dieser Fläche frei.

Die Gebäude wurden zunächst entkernt und anschließend bis auf die Bodenplatte abgetragen. Die Abrissarbeiten hatten im März begonnen und konnten zügig abgeschlossen werden. Seit Juni läuft nun die Altlastensanierung, bei der die Rückstände aus der einstigen Gasproduktion fachgerecht aus dem Boden entfernt werden. Auf dem freigewordenen Areal soll eine große Veranstaltungsfläche für die Landesgartenschau entstehen.

Bauarbeiten für die Revitalisierung des Neckars

Besonders spannend sind die Entwicklungen rund um den Neckar. Im Zuge der vom Land Baden-Württemberg geplanten Renaturierung bekommt der Fluss ein komplett neues Erscheinungsbild. Auf einer Strecke von rund zwei Kilometern – von der Primmündung beim Bahnhof bis zur Schindelbrücke – erhält der Neckar ein neues, naturnahes Flussbett. Ziel ist es, den ökologischen Zustand deutlich zu verbessern. Das ehemalige Wasserkraftwerk mit seinem 900 Meter langen Staubereich musste dafür zurückgebaut werden. Hinter dem Bahnhof stehen auch schon die Fundamente für den neuen Pegel.

Um dem Fluss seinen natürlichen Verlauf zurückzugeben, müssen aber auch zahlreiche Versorgungsleitungen verlegt werden, die bisher durch das Gebiet führen. Daher ziehen sich beim Blick von oben lange Gräben durch die Neckarwiese. Besonders spannend ist die Baustelle im Bereich des alten Gaswerks: Hier wurden als Vorbereitung für den späteren Rückbau der alten Rohrleitungsbrücke Versorgungsleitungen unter dem Neckar verlegt.

 

Leitungsverlegung unter dem Fluss

Ursprünglich verliefen die Bestandsleitungen für Strom, Gas, Wasser und Telekommunikation unter der Versorgungsbrücke hindurch. Für die Renaturierung des Neckars müssen diese künftig unterirdisch geführt werden – auch unter dem Neckar hindurch. Doch wie verlegt man Leitungen unter einem Fluss? Michael Weber und Mathias Ruf, beide Planer bei der ENRW, erklären das Vorgehen:
„Zunächst wurde ein Graben von der Schindelbrücke über die Neckarwiese ausgehoben, in welchem die neuen Leitungen künftig verlaufen“, sagt Mathias Ruf. Auch im Flussbett selbst wurde ein rund 3,50 Meter tiefer Graben ausgehoben, um Platz für den sogenannten Düker, also die unterirdische Leitungspassage, zu schaffen.

Um alle Leitungen gleichzeitig verlegen zu können, wurden diese mithilfe eines speziellen Gestells fixiert. Insgesamt drei Bagger waren erforderlich, um die Konstruktion in Position zu bringen und den Düker einzulassen. Michael Weber ergänzt: „Da die Leerrohre einen starken Auftrieb haben, mussten sie mit Wasser gefüllt werden. Nur so ließ sich das Rohrpaket sicher im Graben absenken.“

Nachdem die Rohre in der vorgesehenen Tiefe lagen, wurde der Graben mit Flüssigboden bis zur Flusssohle verfüllt. „So wird verhindert, dass das fließende Wasser die Rohre später wieder freilegt“, erklärt Ruf. Zum Einsatz kamen langlebige Schutzmantelrohre, die den speziellen Bedingungen standhalten. Nach dem Einbau wurden die mit Wasser gefüllten Leitungen wieder geleert und mit einem speziellen Reinigungsgerät, dem sogenannten „Molch“, von Rückständen befreit. Wenige Tage später war von den aufwändigen Bauarbeiten im Flussbett nichts mehr zu sehen.

Auch im Stadtgraben wird gebaggert

Offene Gräben und große Baumaschinen: Dieses Bild setzt sich auch im Stadtgraben fort. Ende Mai markierte der symbolische Spatenstich den Startschuss für die dortigen Bauarbeiten. Als Voraussetzung für die weiteren Arbeiten unterhalb der Hochbrücke werden auch hier zunächst wichtige Versorgungsleitungen verlegt. Während der rund fünfmonatigen Bauzeit entstehen dabei etwa 500 Meter Gasleitungen, 400 Meter Stromleitungen, 65 Meter Wasserleitungen sowie knapp zwei Kilometer Leerrohre.

Ein Blick in die Zukunft

Die Baustellen der Landesgartenschau wecken große Vorfreude auf das, was kommt. An vielen Stellen in der Stadt und entlang des Neckars wird gebaut – ein deutliches Zeichen dafür, dass sich in den kommenden Jahren vieles wandeln wird. Wer jetzt in die Au blickt, bekommt schon eine erste Idee davon – und kann die Fantasie in Richtung Zukunft schweifen lassen.

Mehr Ausblicke auf das Landesgartenschau-Jahr gibt es in der nächsten HIERBLEIBER-Ausgabe.
Aktuelle Informationen zum Projekt sind auch jederzeit online zu finden: Website: www.landesgartenschau-rottweil.de  |   Instagram