Christoph Frank
Ein Mann, viele Charaktere
"Ich erinnere mich noch gut an das Stück Bello und Bella von Bernhard Morgenstern, das ich 1981 gesehen habe. Das hat so viel in mir ausgelöst. Es war ein echter Höhepunkt in meinem Leben“, schwärmt Christoph Frank. „Der Reiz des Puppenspiels ist für mich, dass man völlig abtauchen kann. Ich bin dann ganz in der Szene, wie in einem lebendigen Traum.“ Auf mehr als 40 Jahre Erfahrung als Puppenspieler kann Christoph Frank heute zurückblicken. Und wenn man ihm so zuhört, dann merkt man: Das ist seine Welt. Neben Bello und Bella gab es schon in seiner Kindheit einen Schlüsselmoment, der ihn zu seiner Leidenschaft brachte: Beate Paulus, eine Nachbarin, führte im Kindergarten Figurentheater vor. Schon damals war er von dieser besonderen Art des Spiels fasziniert.
Heute steht Frank selbst auf der Bühne, die bei ihm ganz unterschiedlich aussehen kann. „Ein Tisch, ein Bügelbrett, sogar der Boden kann eine Bühne sein“, sagt Christoph Frank. Seine Stärke ist das Figurentheater in Verbindung mit Zauber-Elementen. Als drittes Element kommt das Bauchreden hinzu, das er inzwischen professionell beherrscht. Mehr als 30 Stücke umfasst sein Repertoire: von bekannten Kinderklassikern wie Das Sams oder Pettersson und Findus über Erwachsenenstücke bis hin zu Stadtführungen durch Rottweil mit Puppenfiguren. Häufig tritt er an Schulen oder in Kindergärten auf, aber auch nach Israel und Norwegen hat ihn sein Beruf schon gebracht.
Bevor er sich 1994 selbstständig machte, war Christoph Frank als Heilerzieher und Erzieher tätig. Schon damals war sein Talent nicht zu übersehen. „Du musst Puppenspieler werden“, hätten Kolleginnen und Kollegen ihm oft gesagt, erzählt Frank schmunzelnd. Seine Erfahrung im Umgang mit Kindern ist bis heute ein großer Vorteil. In seinen Stücken schafft er es, eine Brücke zu den Kleinen zu schlagen: „Man muss wissen, wie Kinder fühlen, denken und handeln“, erklärt er. In seinen Vorführungen greift er Alltagssituationen aus dem Leben der Kleinen auf. Wenn dann etwas Unerwartetes passiert, ist das Lachen garantiert. Mittlerweile bindet er das junge Publikum noch stärker ein. „Heute braucht es mehr Abwechslung. Kinder können sich nicht mehr so lange auf eine Sache konzentrieren.“
Seit 2005 entwickelt Frank seine Stücke gemeinsam mit dem Regisseur Raphael Mürle. „Wir sind ein super Duo“, sagt Frank. Häufig dienen literarische Vorlagen als Ausgangspunkt. Gemeinsam überlegen sie, welche neuen Elemente in die Geschichte einfließen, welche Bühne am besten geeignet ist, und welche Figuren auftreten. Anschließend wird mehrere Tage am Stück geprobt, bis alles sitzt. Wie viel Koordination nötig ist, zeigt ein Blick auf sein größtes Stück, Die kleine Hexe: „Insgesamt 36 Figuren spielen mit.“ Für jede Figur braucht er eine Hand und allein drei Finger sind für Kopf und Hände nötig. Sobald mehr als zwei Figuren gleichzeitig auftreten, ist körperlicher Einsatz gefragt. Da kommt auch mal der Kopf, ein Ellenbogen oder ein Fuß zum Einsatz. „Ich bin nach jeder Aufführung schweißgebadet!“, erzählt Christoph Frank lachend.
Neben dem Körper muss auch die Stimme trainiert werden. Besonders das Bauchreden erfordert viele anstrengende Kehllaute. „Wie beim Sport muss man sich auch stimmlich aufwärmen“, erklärt er und imitiert zur Demonstration eindrucksvoll das Krähen eines Hahns. Jede seiner Figuren spricht anders, hat eine eigene Tonlage und individuelle Eigenheiten. Wenn Christoph Frank diese Rollen vorspielt, hat man wirklich das Gefühl, man sitzt dem Sams oder einer sprechenden Kanonenkugel aus Münchhausen gegenüber. Die Texte, die Handbewegungen, die Mimik – alles sitzt.
Sein Wissen aus über vier Jahrzehnten gibt Frank seit 1987 auch in Seminaren weiter. Besonders pädagogische Fachkräfte aus Kindergärten, Krippen und Horten besuchen seine Kurse. Sie lernen dort alles über Figurentechniken, Blickführung, Bühnenarten und vieles mehr. Die Abschlussaufführung, ein selbst entwickeltes Stück, findet stets vor richtigem Publikum statt. „Damit die Teilnehmenden echte Reaktionen erleben, werden hierfür immer Kinder eingeladen“, erklärt Christoph Frank.
Die Stücke werden ohne Text vorbereitet und aufgeführt, damit sich alle ganz auf das Spiel und die Figuren konzentrieren können. „Das Schöne ist, dass Puppenspiele wie eine universelle Sprache funktionieren. Alle Kinder verstehen sie, unabhängig von ihrer Herkunft. Es ist einfach toll, wie viele unglaublich schöne Momente man mit ihnen erlebt und wie viele positive Rückmeldungen man bekommt.“ Das größte Kompliment für ihn? „Wenn ich als Puppenspieler gar nicht mehr wahrgenommen werde.“
Figurentheater, Zauber-Elemente und Bauchreden: Bei Christoph Franks Vorstellungen kommen alle drei Disziplinen zusammen.
