20.03.2026

Ein Verein für kleine und große Talente

Aus dem Alltag aussteigen, in eine völlig andere Welt eintauchen, neue Rollen ausprobieren und fremde Charaktere verkörpern: Das ermöglicht die Talentwerkstatt 43. „Es ist ganz erstaunlich, was mit manchen Leuten auf der Bühne passiert. Manchmal kann man nicht glauben, dass es dieselbe Person ist. Die genießen es so, mal jemand anderes zu sein“, erzählt Birgit Wagner-Ruh. Der Traum, auf einer großen Bühne zu stehen, das Publikum zu spüren und nach intensiven Proben das Lampenfieber vor dem Auftritt zu erleben – diese Wünsche können in der Talentwerkstatt 43 erfüllt werden.

Zum festen Kern gehören neben Birgit Wagner-Ruh auch Janina Ruh und Jochen Hermann. Die drei arbeiten seit vielen Jahren eng zusammen. Nachdem Birgit Wagner-Ruh zunächst verschiedene Projekte allein realisiert hatte, wurde 2002 der Verein gegründet. Auch, um die Aufgaben auf mehreren Schultern zu verteilen. 2018 stiegen Janina und Jochen nach Studium und Ausbildung fest ein. Beide standen schon in jungen Jahren regelmäßig selbst auf der Bühne. Heute sind alle drei Allrounder: Sie bauen Kulissen, nähen Kostüme, geben Unterricht. Jeder packt überall mit an.

„Wir finden es einfach ganz toll, dass Menschen hier die Möglichkeit haben, sich auf der Bühne zu präsentieren“, erzählen die drei. Bei der Talentwerkstatt 43 bringen sie gemeinsam Opern und Musicals wie Die Zauberflöte, Alice im Wunderland oder Hänsel und Gretel auf die Bühne. Das Team ist sich einig: „Die meisten lieben die Verbindung zwischen Tanz, Schauspiel und Gesang.“ Mitmachen kann jede und jeder, unabhängig von Alter oder Vorerfahrung. Aktuell reicht die Altersspanne von fünf Jahren bis Mitte 70. Zum Teil nehmen ganze Familien mit Eltern und Kindern teil und gestalten hier gemeinsam ihre Freizeit.

Ein wichtiger Bestandteil der Talentförderung ist die Musikakademie, die 2019 gegründet wurde, und in der wöchentlich Unterricht zu festen Terminen angeboten wird. Dabei liegt der Fokus nicht nur auf Musicals, sondern auch auf klassischer Musik. Wer großes Talent und Lust hat, kann Einzelunterricht nehmen. Die Proben für die Aufführungen finden aber gemeinsam statt. Am Leibniz-Gymnasium in Rottweil stehen dem Verein geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung: Zwei Musiksäle und das Foyer der Schule, wo die rund 70 Personen Platz finden, können kostenlos genutzt werden. „Ohne diese großartige Unterstützung der Schule, wäre unser Konzept sehr schwer umzusetzen“, erklärt Birgit Wagner-Ruh.

Trotz der vielen Proben, des hohen Engagements und regelmäßiger Wochenendeinsätze spürt man, wie viel Herzblut alle drei in das Projekt stecken. Viele Teilnehmende bleiben über Jahre hinweg dabei und die Gruppe wächst von Aufführung zu Aufführung weiter zusammen. Vor allem nach den Auftritten kommen immer wieder neue Talente hinzu. „Es ist auch ein großes Stück Persönlichkeitsentwicklung, das wir damit unterstützen“, erzählt Janina Ruh. „Manche Eltern schreiben uns: ‚Unser Kind hat sich komplett verändert, traut sich viel mehr zu, sagt klar, wer es ist und was es will‘“, bestätigt Birgit Wagner-Ruh. Auch die Konzentration werde durch die Arbeit gefördert. „Es ist ein nettes Gegengewicht zu ganz vielen anderen Aktivitäten, die sie im Alltag haben“, ergänzt Jochen Hermann.

Während Smartphones bei den Proben tabu sind, spielt moderne Technik bei den Aufführungen eine zentrale Rolle: Bühnen-, Licht- und Tontechnik sind auf professionellem Niveau. Denn mit der Technik werden die Leistungen der Teilnehmenden erst richtig in Szene gesetzt. Dazu gehört auch die richtige musikalische Untermalung: „Das sind Profis, die da im Orchestergraben sitzen“, sagt Janina Ruh. „Es ist toll, dass wir mit einer Profiband zusammenarbeiten können. Selbst in den großen Musicaltheatern wird das immer mehr eingespart. Inzwischen kommt oft die gesamte Instrumentalmusik vom Band“, erklärt sie weiter. Seit vielen Jahren wird das Orchester von Dirigent Axel Zimmermann, der das Team in der finalen Probenphase bereichert, geleitet.

Und dann gibt es diesen Moment am Ende einer langen Probenzeit, wenn alles zusammenkommt. Janina Ruh erzählt: „Wenn das Orchester zum ersten Mal da ist, stehen wir zu dritt im Saal und sehen, wie sich alles ineinanderfügt. Die Beleuchtung, die Leute mit den Kostümen auf der Bühne, die Musik und die Tontechnik. Dann stehen wir da, alle mit Tränen in den Augen und denken: ‚Wow, was haben wir da eigentlich wieder geschafft?‘“

Klangwelten-Konzert in der Adventszeit
Die Talentwerkstatt 43 plant im Dezember 2026 eine Fortführung des erfolgreichen Klangwelten-Konzerts. Einmal mehr treffen Klassik und Musical aufeinander, dieses Mal ergänzt durch stimmungsvolle weihnachtliche Elemente. Die Aufführungen finden an den ersten beiden Adventswochenenden in der Pulverfabrik statt.
Große und kleine Talente können mitmachen
Alle, die nicht nur zuhören und -schauen, sondern aktiv mitwirken möchten, können sich ab Mai melden. Dann beginnen die ersten Proben für das Klangwelten-Konzert. Alle Altersgruppen und Erfahrungsstufen sind herzlich willkommen.
Kontakt und weitere Informationen
unter 01609 0952709 oder:
www.talentwerkstatt43.de
Sie bringen Talente aus der Region auf die große Bühne: Jochen Hermann, Birgit Wagner-Ruh, Janina Ruh (v.l.)