Quo vadis, IT-Systemumstellung?
Im Februar 2025 wurde unser IT-System für alle Kunden- und Marktprozesse (Abrechnung, Kundenmanagement, Marktkommunikation) umgekrempelt. Konkreter Anlass für die Umstellung war die Abkündigung des SAP-Systems durch unseren bisherigen IT-Dienstleister.
Kaum eine Branche hat in den letzten Jahren so viele Veränderungen erfahren müssen wie die der Energiewirtschaft. Zudem stehen im Zuge der Mobilitäts- und Wärmewende (siehe Infobox) weitere, noch umfassendere Änderungen bevor, mit denen auch die IT-Systeme angepasst werden müssen. Diese steigende Komplexität aufgrund der Energiewende und der Digitalisierung des Energiemarktes stellt hohe Anforderungen an die IT-Systeme.
Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, hat die SAP eine neue IT-Lösung entwickelt. Der Support für das derzeitige System wird Ende 2027 eingestellt. Der Dienstleister, mit dem wir es bisher betrieben haben, stellte ihn schon zum 31. Januar 2025 ein.
Bereits 2021 haben wir mit einer EU-weiten Ausschreibung die Weichen für eine rechtzeitige Umstellung gestellt und 2023 eine Zusammenarbeit geschlossen, die uns den Weg in das neue SAP-System ebnen sollte. Der neue Dienstleister betreut 130 weitere Stadtwerke, beispielsweise Tübingen, oder auch große Versorger wie die Stadtwerke Dortmund oder die Stadtwerke Bochum. Jedoch wurde zum Sommer 2024 hin deutlich, dass der vorgegebene Zeitrahmen für das gesamte Projekt seitens des Dienstleisters vermutlich nicht eingehalten werden kann.
Zum 1. Februar 2025 startete schließlich das neue System, jedoch nach einer stark verkürzten und letztendlich bei weitem nicht ausreichenden Analyse- und Testphase. Das ganze Ausmaß dieses Umstandes war zu dem Zeitpunkt nicht absehbar, wir waren zuversichtlich, dass alle Prozesse nach wenigen Monaten einwandfrei laufen würden. Rückblickend war das nicht realisierbar, da wir selbst keinen Einfluss auf die vorgegebenen und festgelegten Prozesse nehmen können und auf externe Partner angewiesen sind.
Ein Jahr später, im Februar 2026, haben wir mittlerweile, gemeinsam mit dem betreibenden Dienstleister und SAP, einen Großteil der Schwachstellen beheben können. Zwar gibt es noch immer Hürden und Herausforderungen, insbesondere in den Bereichen Lieferanten- und Zählerwechsel sowie Einspeisung. Jedoch wurden die seit Februar 2025 eingegangenen 24.000 Kundenanliegen auf noch ca. 3.000 reduziert – zum Vergleich, wir versorgen ca. 40.000 Kundinnen und Kunden.
Dies war nur durch den unermüdlichen Einsatz unserer involvierten Teams zu schaffen, die in einer ihnen bis dahin unbekannten Extremsituation jeden Tag unter Hochdruck an den Emails, den Telefonaten und auch in den Gesprächen im Kundenzentrum gearbeitet haben. Um der Masse Herr zu werden, haben wir dabei auch externe Dienstleister ins Boot geholt, die uns bei der Bearbeitung unterstützen. Es ist noch einiges zu tun, aber wir sind zuversichtlich, dass bald das meiste in geregelten Bahnen läuft.
ENRWissen - Digitalisierung, Sicherheit, Intelligenz – Modernisierung der Energiewirtschaft
• Richtlinien und Vorgaben für den Einbau moderner Messeinrichtungen und intelligenter Messsysteme
(Smart Meter)
• Vorgaben zu Datensicherheit, Datendigitalisierung und Datenkommunikation für alle Marktprozesse
• Vorgaben zu Schnittstellen-Standards für datenverarbeitende SAP-Systeme
• Dokumentation des Digitalisierungsstandes
Diese Vorgaben müssen zwingend eingehalten werden – per Gesetz.
Weiterführende Informationen:
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: www.bundeswirtschaftsministerium.de
→ Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende
→ Gesetz über den Messstellenbetrieb und die Datenkommunikation in intelligenten Energienetzen
