Applaus für die Abrechnung
Seit 25 Jahren ist Tanja Banzhaf teil der ENRW. Sie gehört zum Team der Debitorenbuchhaltung, das unter anderem für die Auftragsabrechnung zuständig ist. Sie erstellt Rechnungen und prüft Kosten.
Tanja war aber auch schon die Automechanikerin, die in der Werkstatt ein strenges Regime führt. Die liebeskranke Magd, die den etwas begriffsstutzigen Knecht für sich gewinnen will. Oder die Metzgereiverkäuferin, die sich mit der Pizzeria gegenüber anlegt. Im Dorftheater Denkingen schlüpft sie immer wieder in neue Rollen – und das mittlerweile seit 15 Jahren.
Wie bist du zum Theaterspielen gekommen? Hattest du schon früher Berührungen mit dem Thema?
Ich habe in der Schule schon Theater gespielt. Im Denkinger Dorftheater saß ich als gebürtige Denkingerin selbst jahrelang als Zuschauerin im Publikum. Nach einer Vorstellung, bei der eine Freundin von mir mitgespielt hat, habe ich dann spontan angefragt, ob sie noch jemanden brauchen könnten – und wurde zwei Jahre später mit einer (gar nicht mal so kleinen!) Rolle für das neue Stück eingespannt. Das war 2011 und seither gehöre ich zur Stammbesetzung.
Du wurdest also direkt ins kalte Wasser geschmissen und kannst dich bestimmt noch gut an dein erstes Stück erinnern?
Absolut! Das Stück hieß Kohle, Moos und Mäuse. Ich habe die Bäuerin Rosa gespielt. Ich weiß noch gut, dass ich meiner Schauspielkollegin in einer Szene die Fesseln lösen sollte. Ich habe vor Nervosität so gezittert, dass ich Angst hatte, sie dabei zu strangulieren (lacht).
War/ist das nicht eine wahnsinnige Überwindung, vor so vielen Leuten auf der Bühne zu stehen? Wie gehst du mit Lampenfieber um?
Überwindung würde ich das nicht nennen, schließlich macht es mir ja riesengroßen Spaß. Die ersten Minuten zittere ich immer am ganzen Körper, aber danach läufts. Natürlich fallen einem manche Rollen schon leichter als andere. Wenn ich mich zum Beispiel in meinem Outfit nicht ganz wohl fühle, oder allein auf der Bühne singen muss, dann stoße ich schon mal an meine Grenzen. Beim Stück Rendezvous mit einer Leiche hat sich meine Figur beispielsweise eine lebensgroße Puppe gebastelt, mit der ich kuscheln und schmusen musste, um für meinen echten Traumprinzen zu üben. Das war dann schon etwas seltsam und hat mich tatsächlich mehr Überwindung gekostet als andere Szenen.
Fällt dir das Auswendiglernen der Texte schwer?
Ich lerne zum Glück sehr schnell auswendig. Mein Anspruch an mich ist, den Text so schnell wie möglich zu lernen, damit man sich auf das Spielen konzentrieren kann. Seit einigen Jahren spielt auch meine Tochter im Theater mit – da gibt es mittlerweile schon so einen kleinen Wettkampf, wer seinen Text schneller draufhat.
Was sehen die Zuschauerinnen und Zuschauer nicht? Kannst du einen kleinen Eindruck davon geben, was so hinter den Kulissen los ist?
Was das Publikum nicht zu sehen bekommt, ist das Gewusel hinter der Bühne, die Aufregung, die Suche nach Kleidungsstücken, Accessoires und so weiter. Wenn wir in der alten Halle in Denkingen spielen, ist der Backstagebereich der Geräteraum. Dort kommen wir vorab in die Maske, warten während des Stückes auf unseren Einsatz oder ziehen uns, wenn vorgesehen, zwischen den Szenen um.
Was für die Zuschauerinnen und Zuschauer aber ebenfalls verborgen bleibt, ist die ganze Arbeit im Vorfeld zu einem Stück. Da wir kein professionelles Theater sind, haben wir zum Beispiel keine Räumlichkeiten, um einen Fundus aufzubauen. Kostüme und Requisiten müssen wir also für jedes Stück neu zusammensuchen. Oft kommt da viel aus dem privaten Umfeld. Da heißt es dann zum Beispiel „hat irgendjemand einen roten Sessel, den er uns leihen kann?“ oder „ich suche einen langen schwarzen Mantel“, oder ähnliches.
Wie sieht der Zeitplan des Theaters aus?
Traditionell spielt das Dorftheater Denkingen immer am letzten Wochenende vor dem ersten Advent. Mitte des Jahres fragt unser Regisseur an, welche Schauspielerinnen und Schauspieler mit dabei sein möchten – anhand der Rückmeldung wählt er dann ein passendes Stück aus. Dann beginnen wir einmal die Woche mit den Leseproben. Anfang September sollte der erste Akt bei allen sitzen, dann treffen wir uns bereits zweimal wöchentlich.
Ab dem Wochenende vor der Aufführung bauen wir dann die Bühne auf und kümmern uns gemeinsam um das Bühnenbild. Die Wände werden neu tapeziert und gestrichen und je nach Inhalt des Stücks gestaltet. Letzte Requisiten und Utensilien werden gesammelt. Jetzt proben wir täglich direkt auf der Bühne.
Am Aufführungswochenende starten wir Samstagmittag mit der Generalprobe, die wir kostenlos für die Senioren im Ort vorführen.
Alle drei Jahre spielen wir außerdem Outdoor, vor dem Denkinger Rathaus. Dort ist immer in Verbindung mit dem Albabtrieb eine Bühne aufgebaut. Diese Vorstellung findet dann also schon im September statt und dementsprechend
verschiebt sich der Zeitplan nach vorne und wir starten mit allem früher.
Was würdest du Menschen raten, die überlegen einmal beim Theater mitzumachen?
Das ist simpel: Einfach ausprobieren!
Im Stück „Polnische Wirtschaft“ verkörperte Tanja Banzhaf die Chefin einer Autowerkstatt. (links)
Tanja Banzhaf als Hera im Stück „Aufstand im Olymp“ auf der Denkinger Freichlichtbühne. (rechts)
@denkinger_dorftheater
